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News

„Nach einer Krebserkrankung die Arbeit wieder aufnehmen, das ist ein zweiter Kampf.“

Jedes Jahr erhalten in der Schweiz 15.000 Personen im arbeitsfähigen Alter eine Krebsdiagnose . Nachdem sie sich der Krankheit gestellt haben, müssen sich die meisten von ihnen anschliessend einem neuen Kampf stellen: der Rückkehr zur Arbeit. Anlässlich des Weltkrebstages schliessen sich die Invalidenversicherungsstelle (IV-Stelle) des Kantons Freiburg und die Krebsliga Freiburg zusammen, um diese wichtige, aber oftmals schwierige Etappe der Krankheit näher zu beleuchten und die im Kanton angebotenen Begleitmassnahmen vorzustellen.
Um diesen speziellen Wiedereingliederungsprozess zu veranschaulichen, hat sich Frau C., Mitarbeiterin eines grossen Freiburger Unternehmens, bereit erklärt, ihre Erfahrungen weiterzugeben.

Rückkehr zur Arbeit: eine wichtige Etappe nach dem Krebs
Dank früher Erkennung und Fortschritten in den Behandlungen kann die Mehrzahl der an Krebs erkrankten Personen während der Krankheit arbeitstätig bleiben oder die berufliche Tätigkeit nach einer Unterbrechungszeit wieder aufnehmen. Für viele von ihnen kommt der Rückkehr zur Arbeit eine besondere Bedeutung zu: sie bedeutet eine Rückkehr ins „normale" Leben und in manchen Fällen das Ende einer Phase der sozialen Isolation.

Die Rückkehr zur Arbeit ist jedoch nicht gleichbedeutend mit dem Ende der Krankheit. Die betroffenen Personen haben noch immer mit physischen und psychologischen Auswirkungen des Krebses und dessen Behandlungen, wie Ess-, Schlaf-, Gedächtnis-, Konzentrationsstörungen, Angst, vermindertem Selbstwertgefühl, usw., zu kämpfen. Zu diesen Folgeerscheinungen kommt oft eine grosse Müdigkeit, die noch lange nach Beendigung der Behandlungen fortbestehen kann. Nach der Krebserkrankung müssen die betroffenen Personen zudem lernen, mit dem Rückfallrisiko und den Unvorhersehbarkeiten dieser Krankheit zu leben.

Diese Einschränkungen machen es gegebenenfalls schwierig, die berufliche Tätigkeit so wie zuvor wieder aufzunehmen und können in der Anfangsphase eine Anpassung der Arbeitsumgebung, der Aufgaben oder der Arbeitszeiten erforderlich machen.

Arbeitgeber sind oft hilflos
Die Arbeitgeber sind bei der Rückkehr einer Mitarbeiterin oder eines Mitarbeiters nach einer Krebserkrankung oft hilflos: Wie soll man sich verhalten? Wie ist mit dem Gesundheitszustand umzugehen? Kann die Person die gleichen Arbeiten ausführen, wie vor der Erkrankung? Auch wenn ein grosser Teil der Arbeitgeber eine Rückkehr zur Arbeit nach einer Krebserkrankung ermöglicht, so ist das nicht immer der Fall: das Risiko arbeitslos zu werden, ist bei an Krebs erkrankten Personen 37% höher1.

Partnerschaft zwischen der IV-Stelle und der Krebsliga Freiburg
Seit 2012 wird im Kanton Freiburg ein innovatives Modell zur Begleitung an Krebs erkrankter Personen bei der Wiederaufnahme der Arbeitstätigkeit angeboten. In diesem Rahmen bietet die Krebsliga Freiburg auf Mandat der IV-Stelle eine individuelle Begleitung am Arbeitsplatz im Rahmen von Frühinterventionsmassnahmen an. Seit Beginn dieser Partnerschaft konnten 24 Personen diese Leistung in Anspruch nehmen.

Im Rahmen dieser Massnahmen erarbeiten der Arbeitgeber, die oder der betroffene Mitarbeiterin oder Mitarbeiter, die Eingliederungsfachperson der IV-Stelle und eine Sozialarbeiterin oder ein Sozialarbeiter der Liga gemeinsam einen Plan für die Rückkehr ins Arbeitsleben unter Berücksichtigung der durch die Krankheit verursachten physischen und psychologischen Einschränkungen. Die Lösungen werden von Fall zu Fall festgelegt, und so dass möglichst günstige Bedingungen für eine stressfreie Rückkehr geschaffen werden (Anpassung des Arbeitsplatzes, Änderung des Lastenheftes, Senkung des Arbeitspensums, usw.).

Mit anderen Worten, „wir erlauben es der Person, krank zu sein, dem Rhythmus zu folgen, den der Körper vorgibt und die Arbeit schrittweise wiederaufzunehmen." erklärt Monique Mollard, Sozialarbeiterin der Krebsliga Freiburg.

Erreichen der Ziele der IV durch Erhöhung der beruflichen Wiedereingliederungschancen
Der IV-Stelle zufolge ist diese Begleitung bei der Rückkehr ins Arbeitsleben ein wirksames Mittel, das schnell umgesetzt werden kann und die Chancen einer beruflichen Wiedereingliederung der versicherten Person erhöht.

Ziel der von der IV-Stelle an die Krebsliga Freiburg übertragenen Aufträge ist es, die erforderlichen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Wiedereingliederung zu schaffen und aufrechtzuerhalten. Die IV-Stelle zählt, um diese Aufgabe erfolgreich zu meistern, auf die Fachkenntnis und Erfahrung des Ligapersonals, das sich mit der Lage der Krebserkrankten bestens auskennt.

Was tun wenn meine Beschäftigte/mein Beschäftigter, meine Kollegin/mein Kollege Krebs hat?
Ergänzend zu den Begleitungsangeboten für die Wiederaufnahme der Arbeit wurden ein Leitfaden mit guten Ratschlägen zur Begleitung einer oder eines an Krebs erkrankten Mitarbeiterin oder Mitarbeiters sowie zwei Broschüren -eine für Kollegen und eine für Vorgesetzte- herausgegeben. Diese von der Studierenden Margaux Sidler im Rahmen ihrer Bachelorarbeit an der HSW erarbeiteten Ratgeber sind allgemein verständlich und enthalten einfache und gut umzusetzende Ratschläge, die die Rückkehr zur Arbeit erleichtern.

Diese Dokumente sind kostenlos und können unter folgender Adresse heruntergeladen werden:
http://www.liguecancer-fr.ch/de/krebs_und_arbeit222


Erfahrungsbericht von Frau C.
Im November 2012 erfährt Frau C., dass sie eine Krebserkrankung des lymphatischen Systems hat. Sie arbeitet zu der Zeit in Vollzeit auf einem anspruchsvollen Arbeitsplatz in einem Freiburger Unternehmen. Direkt nach der Diagnose beginnt sie eine Chemotherapie, dann eine Strahlentherapie und muss ihre berufliche Tätigkeit einstellen.

Nachdem sie 8 Monate gar nicht gearbeitet hat, hat Frau C. auf Vorschlag der IV-Stelle des Kantons Freiburg eine Massnahme der Frühintervention in Zusammenarbeit mit der Krebsliga Freiburg erhalten. Die Massnahme dauert 4 Monate, bis sie wieder 100% arbeitet.

Heute ist Frau C. in Remission und kann sagen, die berufliche Wiedereingliederung geschafft zu haben. Anlässlich des Weltkrebstages hat sie sich bereit erklärt, ihre Erfahrungen weiterzugeben:

„Als meine Sozialarbeiterin mir geraten hat, einen Antrag bei der IV-Stelle zu stellen, um eine Begleitung zur Rückkehr an den Arbeitsplatz zu erhalten, hatte ich Angst, nie mehr arbeiten zu können. Dann habe ich meine ganze Energie eingesetzt, um gegen die Krankheit anzukämpfen und weiterzuleben. Um die Arbeit habe ich mich gar nicht mehr gekümmert."

„Später dann im Laufe meiner Remission haben Krankheit und Behandlungen zurückgeschlagen. Ich war sehr müde, sowohl körperlich als auch mental. Der Gedanke an die Wiederaufnahme meiner beruflichen Tätigkeit erschien mir plötzlich wie „ein neuer Kampf". Nachdem ich so viel Energie aufgewendet habe, um gegen die Krankheit zu kämpfen, schien es mir unmöglich, dieser neuen Herausforderung alleine entgegenzutreten. Ohne Hilfe, hätte ich sicher resigniert."

„Mein Arbeitgeber hat die von der IV-Stelle und der Krebsliga Freiburg vorgeschlagene Begleitmassnahme sofort akzeptiert. Ich habe ihn schnellstmöglich zusammen mit meiner Sozialarbeiterin aufgesucht, um meine Rückkehr zu organisieren. Die Sozialarbeiterin hat zuerst die physischen und psychologischen Auswirkungen der Krebserkrankung und der Behandlungen erklärt. Es war wichtig, dass eine externe „auf dem Gebiet des Krebses kundige Person" den Schock erklärt hat, den eine solche Krankheit darstellt. Hätte ich das getan, wären die Wirkung und das Verständnis sicher anders ausgefallen. Wir haben dann zusammen einen Plan für die Wiederaufnahme der Arbeit entsprechend meiner Teilzeit und meiner Fähigkeiten festgelegt. Danach haben wir regelmässig Standortbestimmungen gemacht, bis zur 100%-igen Wiederaufnahme der Arbeit."

„Die ersten Tage waren hart, meine Befürchtungen bezüglich meiner Fähigkeit, meine Tätigkeit wieder aufzunehmen, haben sich bestätigt. Ich hatte ernsthafte Zweifel, ob ich wieder in meiner vorherigen Funktion arbeiten kann. Ich litt an mentaler Müdigkeit, an Konzentrations- und Gedächtnisstörungen; ich war langsamer als vorher und hatte Mühe, meine Bezugspunkte wiederzufinden. Es gelang mir beispielsweise manchmal nicht, mich an informatische Funktionen zu erinnern, die ich vor meiner Krankheit immer benutzt hatte, und ich hatte grosse Schwierigkeiten, meine Aufgaben zu planen und zu organisieren. Manchmal hatte ich den Eindruck, zum ersten Mal einen Job zu beginnen. Auch wenn ich 50% der Zeit anwesend war, konnte ich nicht zu 50% produktiv sein. Ich muss gestehen, dass meine Sozialarbeiterin mir eindringlich zu einer sanfteren Wiederaufnahme geraten hat. Aber meinen Eigensinn hatte ich mir dann doch bewahrt. Abgesehen davon, dass ich nicht mehr die Person war, die ich vorher war, hat es mich doch auch Zeit gekostet, wieder meinen Platz im Team und meine Rolle in der Organisation zu finden. Während meiner Abwesenheit ist das Leben natürlich weitergegangen."

„Ich bin mir nicht sicher, ob ich ohne diese Begleitung die Rückkehr zur Arbeit geschafft hätte. Die Tatsache, mit jemandem, der nicht zum Unternehmen gehört, über meine Zweifel und Schwierigkeiten diskutieren zu können, hat mir sehr geholfen. Zu wissen, dass mich jemand begleitet und an mich glaubt, hat mich bestärkt und mir Vertrauen gegeben: ich wusste, dass ich im schlimmsten Fall, wenn es nicht gut läuft, nicht alleine bin. Dank dieser Begleitung konnte ich meine Arbeit auch etappenweise und ohne Eile wiederaufnehmen, was es mir nebenbei ermöglicht hat, mir Zeit zum Ausruhen zu nehmen und nach und nach in die Abläufe einer beruflichen Tätigkeit zurückzufinden. Dies hat es auch ermöglicht, die Modalitäten meiner Arbeitsaufnahme für meinen Arbeitgeber, meine Kollegen und mich klar abzustecken. Indem ich mich an die Liga gewandt habe, habe ich all meine Chancen dafür genutzt, dass meine Rückkehr gelingt. Dies hat mir die Kraft gegeben, neu zu beginnen und wieder aufzustehen."

„Wieder die Arbeit aufnehmen, ist in gewissen Fällen ein zweiter Kampf. Die Unternehmen müssen verstehen, was Krebs ist und müssen sich gut auf die Rückkehr ihres Mitarbeiters vorbereiten. Er wird nicht mehr wie vorher sein, wird aber bei einer gut geplanten und begleiteten Wiederaufnahme durchaus in der Lage sein, seinen Platz im Berufsleben wiederzufinden."

Erfahrungsbericht des Vorgesetzten von Frau C.
„Die Ankündigung ihrer Krankheit und die Arbeitseinstellung unser langjährigen Mitarbeiterin Frau C. kamen für uns sehr plötzlich. Zuerst waren wir erschüttert, dann begann die Unsicherheit darüber, wie lange sie wohl fehlen würde. Wir haben daraufhin beschlossen, uns neu zu organisieren, ihre Tätigkeiten auf das Team aufzuteilen und eine temporäre Arbeitskraft hinzuzuziehen."

„Frau C. hat uns regelmässig über ihren Zustand informiert, was von Beginn an die Verbindung zu ihr Aufrecht erhalten hat. Da wir auf diesem Gebiet keine Erfahrung hatten, haben wir sofort den uns von der Krebsliga Freiburg unterbreiteten Begleitungsvorschlag akzeptiert. Bei regelmässigen Treffen hat uns die Sozialarbeiterin zuerst geholfen, die Art und das Ausmass des durch diese Krankheit verursachten Schocks zu verstehen und dann
-durch praktische Ratschläge- insbesondere mit der Ausarbeitung eines auf mehrere Monate ausgelegten Programms zur progressiven Wiederaufnahme der Arbeit, bessere Rückkehrbedingungen zu schaffen."

„Als uns Frau C. ihre Rückkehr angekündigt hat, waren wir uns des Ausmasses der Schwierigkeiten, mit denen sie zu kämpfen hatte, nicht bewusst und auch nicht derer, denen sie bei der Wiederaufnahme der Arbeit noch begegnen sollte. Und wir wussten nicht, wie wir ihr helfen sollten, da ein grosser Teil der Probleme sehr persönlicher Natur und nicht immer sichtbar waren. Die Begleitung durch die Krebsliga Freiburg hat uns dabei geholfen und hat eine Schlüsselrolle dabei gespielt, dass diese Rückkehr ein Erfolg wurde."

Letzte Aktualisierung am 25.05.2018 um 10:22