Im Zentrum der Entscheidungen: der Krisenstab

Krisenstab und besetzte Sitzungszimmer: Die Auswirkungen des Coronavirus sind auf allen Ebenen des freiburger spitals (HFR) zu spüren. Aber wie organisiert sich das HFR, um dieser Situation zu begegnen, und wer entscheidet darüber, welche Massnahmen eingeleitet werden? Gespräch mit Dr. med. Ronald Vonlanthen, Medizinischer Direktor.

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Dr. med. Ronald Vonlanthen

Dr. med. Ronald Vonlanthen

Wer genau ist Teil des Krisenstabs?
Wir haben derzeit einen zweigeteilten Krisenstab, oder genauer gesagt zwei Krisenstäbe. Einerseits haben wir den „normalen“ Krisenstab, der für alle schwierigen Situationen im Spital einberufen wird. Er besteht aus den Direktorinnen und Direktoren und ihren Mitarbeitern und ist die erste Anlaufstelle zur Bewältigung einer Krise. Wir haben jetzt zusätzlich einen medizinischen Krisenstab einberufen, in dem vor allem Pflegekräfte und Ärzte regelmässig eine Lagebeurteilung machen. Darin sind auch die Aussenstandorte vertreten. Grundsätzlich kann man sagen: Es handelt sich hier um eine Joint Venture aus Pflege und Ärzteschaft.

Wie oft treffen Sie sich?
Jeden Tag um 8.30 Uhr morgens wird dieser medizinische Krisenstab einberufen. Zuerst analysieren wir die aktuelle Lage: Wie viele erkrankte Personen gibt es in der Schweiz und bei uns im Spital? Wie sehen unsere Ressourcen aus? Wie viele Mitarbeiter sind krank? Wie viele Betten sind frei usw. Anschliessend werden die Richtlinien und Mitteilungen vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) besprochen, und wir entscheiden, wie diese am HFR umgesetzt werden können.

Welche Massnahmen werden konkret besprochen?
Im Moment geht es vor allem um Hygiene- oder Quarantänemassnahmen von Betroffenen und Patienten im Spital oder bei sich zu Hause. Es wird zum Beispiel diskutiert, wo diese Patienten untergebracht werden, welche zusätzlichen Massnahmen nötig sind usw.

Wie sieht der Austausch mit anderen Spitälern und Ämtern aus?
Im Moment haben wir vor allem einen informellen Austausch. Ich habe einen guten und regelmässigen Kontakt zur Kantonsärztin.

Welche Erkenntnisse haben Sie bereits gewonnen?
Wir haben festgestellt, dass der Informationsfluss im Moment das Wichtigste ist. Das heisst, wir brauchen Informationen über die Ereignisse in der Schweiz, was im Gesundheitswesen passiert und wie der Stand der Lage ist. Aber wir brauchen auch interne Informationen: Wie viel Material haben wir, wie viele Mitarbeitende kommen zur Arbeit usw. All das musste zuerst aufgebaut werden. Den Krisenstab gibt es bereits seit zwei Wochen: Wir haben zuerst im Stillen angefangen und jetzt zeigen sich langsam die Früchte dieser Arbeit. Das heisst, wir wissen immer besser Bescheid, was passiert, und können auch unsere Entscheide schneller fällen.

Braucht der Krisenstab noch Unterstützung?
Ja, falls die Epidemie anhält - womit wir heute eigentlich rechnen müssen. Wir sind dabei, uns auf einen längeren Einsatz vorzubereiten. Wir haben bereits Hilfe von Mitarbeitenden der Finanzabteilung und der Personaldirektion erhalten. Von Beginn weg haben wir versucht, Mitarbeitende, die direkt mit Patienten arbeiten, nicht mit solchen Aufgaben zusätzlich zu belasten. So konnten wir zum Beispiel innert kürzester Zeit die Hotline einrichten. Am Anfang mit Kaderleuten der Pflege, dann mit Unterstützung von Mitarbeitenden aus den administrativen Bereichen. Aktuell sind ausserdem sehr viele Medizinstudenten im Einsatz. An dieser Stelle ein grosses Dankeschön an alle für ihre Mithilfe!