Am Tag und in der Nacht: neue Erkenntnisse zur Schlafanpnoe

Kategorie : Forschung
Authored by Monika Joss
Dienstag 3 März 2026

Eine Studie unter Beteiligung vom HFR-Pneumologen Brice Touilloux zeigt erstmals den Zusammenhang zwischen Dyspnoe und Schlafapnoe. 1200 Freiwillige aus der Bevölkerung haben dazu beigetragen, dass diese neue Erkenntnis in einer internationalen Fachzeitschrift publiziert werden konnte.

Schlaf- und Wachzustand sind miteinander verbunden. Das weiss niemand besser als Dr. med. Brice Touilloux, Leitender Arzt Pneumologie und Somnologe am HFR. Bis zu einem Drittel unseres Lebens verbringen wir mit Schlafen – ein deutlicher Hinweis darauf, wie wichtig dieser Ruhezustand ist. Mit einem Augenzwinkern sagt der Schlafexperte deshalb: «Der Schlaf ist der Naturzustand des Menschen und die Wachzeit dient lediglich dazu, uns auf ihn vorzubereiten.»

Es ist diese Verbindung zwischen Wachsein und Schlafen, die im Zentrum der Forschungsarbeit von Brice Touilloux und seinem Kollegen Dr. med. Stéphane Mouraux vom Lausanner Universitätsspital (CHUV) steht. Die Resultate sind so bedeutungsvoll, dass sie kürzlich in einer internationalen Fachzeitschrift publiziert wurden. Die beiden Forscher konnten belegen, dass Dyspnoe (Atemnot) am Tag auf eine Apnoe (Atemaussetzer) in der Nacht hinweist. Damit waren sie die ersten, die diesen Zusammenhang beweisen konnten. Diese Erkenntnis ist einerseits wichtig, damit Schlafapnoen besser erkannt und folglich behandelt werden können. Andererseits liefert sie bedeutende Anhaltspunkte für die Grundlagenforschung.

«Der Schlaf ist der Naturzustand des Menschen.»

Der Freiburger Brice Touilloux schätzt die Nähe des HFR zu den Universitätsspitalern Lausanne und Bern, denn sie eröffnet Forschungsperspektiven. Bei der Studie zur Schlafanpnoe kamen rund 1200 Probandinnen und Probanden der Kohorte «CoLausIHypnoLaus» aus Lausanne ins Spiel. Mag der Name Kohorte auch etwas sperrig klingen, verbirgt sich dahinter eine wahre Goldgrube für Forschende. Denn die Freiwilligen aus der Bevölkerung, die sich über einen längeren Zeitraum für Tests zur Verfügung stellen, leisten einen wichtigen Beitrag zur Wissenschaft. Dank der grossen Anzahl an Teilnehmenden können Hypothesen bestätigt oder verworfen werden, so auch der Zusammenhang zwischen schwerem Atmen am Tag und nächtlichen Atemaussetzern.

Ein Schlafexperiment mit so vielen Freiwilligen durchzuführen, war eine Herausforderung. Hätten die Messungen wie gewöhnlich im Schlaflabor stattgefunden, wäre das Labor über Jahre hinweg besetzt gewesen. So wurden die Messungen schliesslich mit mobilen Geräten bei den Probandinnen und Probanden zu Hause durchgeführt; 1200 Lausanner Haushalte dienten für eine Nacht als Schlaflabor.

Nachdem nun klar ist, dass ein Zusammenhang zwischen Dyspnoe am Tag und Apnoe in der Nacht besteht, stellt sich die nächste Frage: Warum ist das so? Eine erste Hypothese geht von einer Überreaktion des autonomen Nervensystems und des Gehirns infolge der Atemnot am Tag aus. Dieselbe Überreaktion könnte auch erklären, weshalb nicht alle Menschen gleich stark auf Atemnot reagieren, eine Frage, welche die Pneumologinnen und Pneumologen umtreibt und für die es noch keine schlüssige Antwort gibt. Der Zusammenhang zwischen Tag und Nacht hat es in sich.