Studie unter Beteiligung des HFR führt zu besserer Behandlung der Gefässerkrankung der Beine

Catégorie : Forschung Rédigé par Service de communication Mittwoch 27 Mai 2026

Die periphere arterielle Verschlusskrankheit der unteren Extremitäten (PAVK) ist weit verbreitet und kann im schlimmsten Fall zu einer Amputation des Beines führen. Die Teams der Angiologie des freiburger spitals (HFR) und des Universitätsspitals Zürich haben gemeinsam in einer grossen Studie eine neuartige Ballonkatheter-Therapie zur Behandlung von Gefässverengungen untersucht. Die Resultate wurden vor Kurzem im renommierten New England Journal of Medicine (NEJM), der meistgelesenen und -zitierten medizinischen Fachzeitschrift, veröffentlicht. Dabei wurden wesentliche Vorteile festgestellt.

Von der PAVK der unteren Extremitäten sind viele Patientinnen und Patienten betroffen. Rund zehn Prozent der Menschen über 60 Jahren leiden an dieser Erkrankung, bei über 70-Jährigen sind es sogar 15 bis 20 Prozent. Dabei sind die Arterien, die das Blut in die Beine leiten, verengt oder gar verschlossen. Ohne Behandlung können die Folgen schwerwiegend sein und im schlimmsten Fall zur Amputation des Beines führen. Die Behandlung erfolgt zunächst medikamentös und durch Gehtraining. In fortgeschrittenem Stadium ist jedoch zur Verbesserung der Durchblutung häufig eine Angioplastie notwendig. Hierbei handelt es sich um einen in lokaler Betäubung durchgeführten minimalinvasiven Eingriff, bei dem die Arterien mit einem Ballonkatheter geöffnet werden und teilweise eine Gefässstütze (ein sogenannter Stent) eingesetzt wird. Diese Behandlung wird seit Jahren erfolgreich als Routineeingriff durchgeführt, muss jedoch nicht selten wiederholt werden, weil sich die Arterien erneut verengen können. In der Abteilung Angiologie des HFR Freiburg – Kantonsspitals werden pro Jahr rund 800 solcher Eingriffe durchgeführt.

Positive Effekte ohne zusätzliches Risiko

Es ist wissenschaftlich belegt, dass eine Behandlung mit einem Ballonkatheter, der zusätzlich mit einem Medikament beschichtet ist, die Häufigkeit eines erneuten Eingriffes im Vergleich zu unbeschichteten Ballonkathetern verringern kann. In einer grossangelegten Studie der Klinik für Angiologie des Universitätsspitals Zürich und der Abteilung für Angiologie des HFR wurde nun festgestellt, dass eine neue Art von medikamentenbeschichteten Ballonkathetern klinisch wichtige Vorteile bietet. Es handelt sich dabei um einen mit dem Wirkstoff Sirolimus beschichteten Ballonkatheter. Die Amputationen und erneuten Eingriffe wegen kritischer Durchblutungsstörungen konnten im Vergleich zu unbeschichteten Kathetern im ersten Jahr nach dem Eingriff um rund acht Prozent verringert werden, ohne die Komplikationsrate zu erhöhen. Angesichts der grossen Zahl der Betroffenen weltweit sowie der sozioökonomischen Belastungen einer möglichen Amputation stellt dies eine sehr wichtige Erkenntnis dar. 

Die Ergebnisse der Studie wurden im NEJM publiziert, einer der wichtigsten internationalen medizinischen Fachzeitschriften. Das NEJM begründet die Publikation des Artikels unter anderem damit, dass die Stichprobe besonders aussagekräftig war. Mit 1200 Teilnehmenden galt sie als verhältnismässig gross und umfasste viele komplexe Fälle. Da Patientinnen und Patienten aus dem gesamten Einzugsgebiet der Spitäler von Freiburg und Zürich teilnahmen, bildet die Studie gleichzeitig einen breiten Ausschnitt aus der Bevölkerung ab. Die Kooperation der beiden Spitäler trug somit zur Qualität der Studie bei. 

Studienleiter am HFR waren PD Dr. med. Rolf Engelberger, Leitender Arzt der Angiologie, und Dr. med. Daniel Périard, Abteilungschefarzt der Angiologie. Zusammen mit ihrem Studienteam freuen sie sich, dass die Studienergebnisse internationale Beachtung gefunden haben. «Unsere Studie trägt zur Lebensqualität von Patientinnen und Patienten bei, die so eine bessere Behandlung erhalten und deren Bein im besten Fall gerettet werden kann», kommentiert Rolf Engelberger. 

Die Abteilung Angiologie des HFR unter der Leitung des Chefarztes Daniel Périard ist in den letzten Jahren gewachsen und führt Behandlungen nach internationalen Standards durch. Zudem setzt sie sich schweizweit aktiv für die Ausbildung junger Angiologinnen und Angiologen ein. Die Fachrichtung ist an allen Standorten des HFR vertreten. Nicht nur in der Forschung, sondern auch in der Therapie wird auf Kooperation gesetzt. Die Abteilung arbeitet multidisziplinär mit Spezialistinnen und Spezialisten anderer medizinischer Fachbereiche zusammen, die sich mit Gefässerkrankungen befassen, insbesondere mit der interventionellen Radiologie, der Gefässchirurgie, der Neurologie, der Stoma- und Wundberatung sowie der Physiotherapie – immer mit dem Ziel, den Freiburger Patientinnen und Patienten die bestmögliche Therapie zu bieten.