Einbezug der psychischen Dimension in den Rehabilitationsprozess

Kategorie : Fachgebiete
Authored by Catherine Favre Kruit
Dienstag 25 August 2026
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Seit April 2026 verstärkt Joana Carrel als klinische Psychologin das Team der Neurologischen Rehabilitation am HFR Meyriez-Murten. Dank der Schaffung dieser Stelle können psychische Aspekte in den Rehabilitationsprozess einbezogen werden. Wir haben uns mit Joana Carrel unterhalten, um mehr über ihre Arbeit und ihren Beitrag für unsere Patientinnen und Patienten zu erfahren.

Joana Carrel, worin besteht Ihre Tätigkeit als klinische Psychologin in der Neurologischen Rehabilitation des HFR?

Ich betreue in erster Linie Patientinnen und Patienten, die in der Neurologischen Rehabilitation hospitalisiert sind. Eine neurologische Beeinträchtigung – beispielsweise infolge eines Schlaganfalls, eines Schädel-Hirn-Traumas oder eines Hirntumors – kann die Selbstständigkeit, die Orientierung, die Identität und die Lebensentwürfe der Betroffenen massiv beeinträchtigen. Die Psychologie ist dann fester Bestandteil des Rehabilitationsprozesses: Sie unterstützt die Patientinnen und Patienten dabei, ihre Ressourcen zu mobilisieren, wieder auf ihre Fähigkeiten zu vertrauen und sich schrittweise auf eine neue Lebensrealität einzulassen.

Ich biete sowohl Einzel- als auch Gruppensitzungen an. Der Fokus liegt insbesondere auf der Begleitung emotionaler Reaktionen auf eine Erkrankung oder einen Unfall, von Stress oder Traumata sowie auf der Förderung von Motivation und Engagement bei der Rehabilitation. Dabei können auch Themen wie Entspannung, psychologische Auswirkungen von Schmerzen und das Ausarbeiten von Strategien zur Bewältigung der vorliegenden Herausforderungen behandelt werden. Eine solche Begleitung kann frühzeitig und präventiv erfolgen, noch bevor sich bestimmte psychische Probleme dauerhaft festsetzen. Ziel ist es, die psychische Stabilität zu fördern und die Patientinnen und Patienten aktiv in ihre Rehabilitation einzubeziehen. Falls erforderlich, können auch die Angehörigen Teil der Begleitung sein.

Inwiefern ist Ihre Arbeit in die Gesamtbetreuung der Patientinnen und Patienten eingebettet?

Die psychologische Begleitung fügt sich in die Arbeit des interdisziplinären Teams ein und leistet ihren Beitrag zur Erreichung konkreter Rehabilitationsziele. Dazu zählen beispielsweise die Teilnahme an Therapien, die Selbstständigkeit, die Rückkehr nach Hause und die soziale Wiedereingliederung. Dank dem Austausch mit den Ärztinnen und Ärzten, dem Pflegepersonal sowie den Therapeutinnen und Therapeuten der verschiedenen Fachgebiete können die Herausforderungen der Betroffenen besser verstanden und die therapeutischen Ziele gemeinsam angepasst werden. Meine Tätigkeit ergänzt zudem die der Liaison-Psychiatrie. 

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Während die Psychiaterin oder der Psychiater medizinisches und diagnostisches Fachwissen einbringt und beurteilt, ob eine medikamentöse Behandlung angezeigt ist, ermöglicht die klinische Psychologie eine psychotherapeutische Betreuung und eine langfristige psychologische Begleitung. Die Zusammenarbeit trägt zu einer ganzheitlichen Betreuung bei, die sowohl somatische als auch psychische Aspekte der Rehabilitation berücksichtigt.

Die psychologische Begleitung erfolgt in einem vertraulichen Rahmen und wird auf die Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten zugeschnitten. Sie richtet sich nicht nur an Menschen mit einer psychischen Störung. Sie bietet sich auch dann an, wenn psychologische Herausforderungen oder einschneidende Ereignisse im Leben der Patientinnen und Patienten eine Begleitung während des Spitalaufenthalts erfordern.

Betreuen Sie Ihre Patientinnen und Patienten nach dem Spitalaustritt weiterhin ambulant?

Derzeit konzentriert sich meine Tätigkeit hauptsächlich auf stationäre Patientinnen und Patienten. Eine ambulante Sprechstunde soll erst zu einem späteren Zeitpunkt aufgebaut werden. Wenn die klinische Situation dies erfordert und eine Überweisung an eine externe Fachperson für die Patientin oder den Patienten nicht in Frage kommt, kann in Ausnahmefällen eine Betreuung über den Austritt hinaus angeboten werden.

Kommt es vor, dass Sie Patientinnen und Patienten der Muskuloskelettalen Rehabilitation betreuen?

Auch wenn ich hauptsächlich in der Neurologischen Rehabilitation tätig bin, kommt es tatsächlich auch ab und zu vor, dass ich – je nach Bedarf und Möglichkeit – in der Muskuloskelettalen Rehabilitation hospitalisierte Patientinnen und Patienten begleite. Wie auch in der Neurologischen Rehabilitation kann psychologische Unterstützung angeboten werden, wenn persönliche Herausforderungen oder besondere Lebensumstände dazu führen, dass jemand während eines Spitalaufenthalts in eine verletzliche Lage gerät.

Wie wird man klinische Psychologin oder klinischer Psychologe in der Rehabilitation?

Es gibt verschiedene Wege. Ich selbst habe nach meinem Masterabschluss in Psychologie mit Spezialisierung Klinische Neurowissenschaften an der Universität Freiburg meine Tätigkeit im Team der Neurologischen Rehabilitation des HFR Meyriez-Murten aufgenommen. Während meiner Ausbildung habe ich Erfahrungen in unterschiedlichen Bereichen der Psychologie – beispielsweise in der Suchtpsychologie, der Kriminologie, der Arbeitspsychologie sowie in der Schlaf- und Traumforschung – gesammelt. Zudem war mir das Spitalumfeld des HFR bereits vertraut, da ich während meines Studiums fast sieben Jahre lang in verschiedenen Abteilungen am HFR Riaz als medizinische Sekretärin tätig war. Derzeit absolviere ich an der Universität Bern eine Weiterbildung in Psychotherapie mit kognitiv-verhaltenstherapeutischem und interpersonalem Schwerpunkt. Da die Unterrichtssprache Deutsch ist, ermöglicht mir die Ausbildung, meine psychotherapeutischen Kompetenzen zu vertiefen und gleichzeitig die Begleitung deutschsprachiger Patientinnen und Patienten auszubauen.