Bahnbrechende Erkenntnisse auf dem Gebiet der tiefen Hirnstimulation
Behandlung von Parkinson mittels tiefer Hirnstimulation: Eine Studie von PD Dr. med. Ettore Accolla belegt die Wirksamkeit ohne verminderte Kontrolle der Reflexe.
Die tiefe Hirnstimulation (THS) hat sich in den letzten 25 Jahren als wichtiges therapeutisches Mittel bei Bewegungsstörungen erwiesen – insbesondere auch bei Parkinson-Patientinnen und -Patienten. Durch die Implantation von Elektroden im Gehirn gelingt es den Neurologinnen und Neurologen, die neuronalen Schaltkreise mittels hochfrequenter elektrischer Impulse zu modulieren.
Da die Stimulation auch nicht-motorische Schaltkreise betrifft, besteht die Gefahr, dass kognitive oder emotionale Funktionen beeinträchtigt werden. Genau das untersuchte PD Dr. med. Ettore Accolla, Leitender Arzt in der Neurologie am HFR Freiburg – Kantonsspital, in seiner Forschung. Kürzlich wurde er zum Privatdozenten ernannt. Grund genug für uns, auf seine bahnbrechenden Arbeiten zurückzublicken, die erstmals 2016 veröffentlicht wurden. In seiner Forschung schlägt er eine Brücke zwischen Spitzenforschung und einer konkreten Verbesserung der Behandlung für die Patientinnen und Patienten.
Um die genauen Auswirkungen der THS bei der Behandlung von Parkinson zu bewerten, kombinierte der Wissenschaftler Verfahren der strukturellen Magnetresonanztomografie (MRT) und der Elektroenzephalografie (EEG) mit strengen Verhaltenstests.
Ziel dabei war es, die durch die elektrischen Impulse aktivierten Hirnnetzwerke präzise zu kartografieren und die Fähigkeit der Patientinnen und Patienten, ihre Reflexe zu kontrollieren, zu messen.
Die Forschungsergebnisse liefern eine entscheidende klinische Evidenz:
- Verbesserte Reaktionsfähigkeit: Unter Stimulation reagieren die Patientinnen und Patienten schneller auf motorische Anweisungen, was die therapeutische Wirksamkeit der Behandlung bestätigt.
- Keine verminderte Kontrolle der Reflexe: Die Studienteilnehmenden konnten Bewegungen dennoch gezielt unterbrechen, wenn sie dazu aufgefordert wurden.
Fazit: Diese Ergebnisse zeigen, dass die THS die motorische Funktion verbessert, ohne dabei die kognitive Kontrolle und das Verhalten zu beeinträchtigen. Das Verfahren erweist sich somit als zielgerichtet und sicher.
Ettore Accolla zeigt die Benutzeroberfläche, über die elektrische Impulse eingestellt werden können, sowie die Rekonstruktion zweier Elektroden im Nucleus subthalamicus. Diese winzige Struktur fungiert als «Sicherheitsbremse» bei der Bewegungsregulation und als Schaltzentrale unseres Verhaltens.
Wissenschaftliche Durchbrüche in der Medizin erfordern Geduld und Ausdauer. Ettore Accolla weiss das nur zu gut: Ein Artikel kann von einer Fachzeitschrift abgelehnt werden – nur um später von einer anderen, renommierteren Zeitschrift unverändert übernommen zu werden. Umso wichtiger ist es, vom Wert der eigenen Forschung überzeugt zu bleiben und den eingeschlagenen Weg konsequent weiterzuverfolgen. Ettore Accolla möchte weiterhin an der Universität Freiburg (Unifr) lehren und parallel dazu seine Forschung zu zerebellären Ataxien fortsetzen. Dabei handelt es sich um komplexe und stark einschränkende Krankheitsbilder – beispielsweise die Friedreich-Ataxie, von der besonders junge Menschen betroffen sind –, die die Koordination des Bewegungsapparats beeinträchtigen.
Dank des unermüdlichen Engagements von Ettore Accolla und seinem Team wurde die Abteilung Neurologie am HFR von der Nationalen Koordination Seltene Krankheiten (kosek) als assoziiertes Referenzzentrum für zerebelläre Ataxien anerkannt. Dieses von der kosek verliehene Label positioniert die Einrichtung als wichtige Akteurin in der Behandlung und Erforschung dieser komplexen Erkrankungen.