«Die Flexibilität meiner Vorgesetzten sowie meiner Kolleginnen und Kollegen machte meine berufsbegleitenden Ausbildungen und damit meine persönliche Weiterentwicklung möglich.»

Kategorie : HFR
Authored by Priska Rauber
Mittwoch 11 Februar 2026
Success story

Eurides Tavares kam als Pflegehelferin ans HFR. Heute arbeitet sie als Pflegefachfrau in der Abteilung Nephrologie. Eine steile Karriere also, die «dank der mir gebotenen Möglichkeit, meine Ausbildungen berufsbegleitend zu absolvieren, erst möglich wurde». Das hat den Vorgesetzten sowie den Kolleginnen und Kollegen allerdings einiges an Flexibilität abverlangt. 

Mein Werdegang am HFR – eine Erfolgsgeschichte

«Es wäre für mich undenkbar gewesen, meine Erwerbsarbeit zu unterbrechen, um eine neue Ausbildung zu machen. Ich bin alleinerziehend. Doch dank der berufsbegleitenden Entwicklungsmöglichkeiten und der Flexibilität meiner Vorgesetzen sowie meiner Kolleginnen und Kollegen, konnte ich mich beruflich weiterentwickeln.»

Doch nicht zuletzt ihre Motivation und ihre Beharrlichkeit machten es möglich. Wieder die Schulbank drücken, lernen, Mathe, Deutsch und Physik büffeln: All das geht nicht ohne Mut und Disziplin.

Eurides Tavares ist Pflegehelferin, als sie 2002 ans HFR und in die Abteilung Nephrologie kommt. Sie liebt ihre Arbeit, das Spitalumfeld und den Kontakt zu den Patientinnen und Patienten. Doch sie ist auch ein wenig neidisch, wenn sie den Pflegefachpersonen zuschaut, die intravenöse Infusionen legen, das Dialysegerät – das sie selbst nur reinigen darf – bedienen und an Patientinnen und Patienten anschliessen – denen sie selbst nur auf den Behandlungsstuhl helfen darf. Als 2008 eine Passerelle die Möglichkeit bietet, in 18 Monaten statt in drei Jahren die damals noch brandneue Ausbildung zur Fachfrau Gesundheit zu absolvieren, packt sie die Gelegenheit beim Schopf. Neben ihrem 70-Prozent-Pensum und ihrer Rolle als Mutter besucht sie fleissig Vorlesungen – und das teilweise sogar am Samstagabend.

Da geht noch mehr
«Als FaGe war ich in der Lage, mehr medizinische Gesten durchzuführen», freut sich die gebürtige Kapverdierin. «Ich konnte subkutane Injektionen vornehmen und komplexere Verbände anlegen. Natürlich hatte ich das Gefühl, da geht noch mehr! Aber wie sollte ich das schaffen? Meine Erwerbsarbeit einfach zu unterbrechen, um eine Ausbildung zur Pflegefachfrau in Angriff zu nehmen, kam für mich nicht infrage. Und zudem brauchte man eine Matura oder Berufsmatura, um überhaupt zugelassen zu werden. Ich hatte weder das eine noch das andere.»

Mitschülerinnen und Mitschülern umgeben

Doch ihr Wissensdurst war, ist und bleibt ungestillt. Und so kommt es, dass sie 2013 Kurse für die Berufsmaturität Gesundheit und Soziales belegt. «Einfach, um gewappnet zu sein, falls sich eines Tages eine Tür öffnet!» Das HFR gibt ihr frei, damit sie ihre Kurse besuchen kann. Damals ist sie 35 Jahre alt. In der Gewerblichen und Industriellen Berufsfachschule Freiburg (GIBS) ist sie von wesentlich jüngeren. 

Mitschülerinnen und Mitschülern umgeben. «Mein Gott! Und dann die Fächer! Physik, Deutsch, Mathe ... Algebra, das kam mir wirklich Spanisch vor! Aber meine jüngeren Klassenkameradinnen und -kameraden haben mich unter ihre Fittiche genommen und mich sehr unterstützt.»

Und 2015 geht tatsächlich die besagte Tür auf. Die berufsbegleitende Ausbildung zur Pflegefachfrau/zum Pflegefachmann ist soeben erst lanciert worden. Eurides Tavares spricht mit ihren Vorgesetzten, die sie bestärken und sich bereit erklären, ihr Arbeitspensum etwas zu reduzieren und ihre Arbeitszeiten auf den Stundenplan und die Praktika abzustimmen.

Es folgen vier Jahre, in denen Eurides Tavares zwischen ihrer Tätigkeit als FaGe und als Pflegefachfrau in Ausbildung, zwischen Einsatzplänen bei der Arbeit und in der Schule jongliert und die eine oder andere Aufgabe an ihre Kolleginnen und Kollegen delegieren muss. «Sie mussten ohne mich auskommen, wenn ich im Unterricht war. Sie waren flexibel. Einfach grossartig!»

Heute schätzt sie sich glücklich. Sie hat sich ihre Rolle in der Pflege ausgebaut und hat nun als Pflegefachfrau ganz neue Entwicklungsmöglichkeiten. Und wie könnte es anders sein: Sie ist bereits wieder in Ausbildung! «Ich habe im April meine Ausbildung zur Praxisausbildnerin in Angriff genommen», sagt sie stolz. «Mit dieser Ausbildung in der Tasche werde ich Pflegeschülerinnen und -schüler betreuen können, die unsere Abteilung durchlaufen. Ich verdanke dem HFR viel und möchte etwas zurückgeben. Ein grosses Dankeschön ans HFR, das mir das Leben erleichtert und mich auf meinem Werdegang unterstützt hat!»

In dieser Geschichte zeigt sich, dass sich Flexibilität immer lohnt.