Einzige Konstante in ihrer langen Karriere als MTR? Die Anatomie ihrer Patientinnen und Patienten!
Seit über vierzig Jahren ist Chantal Pythoud als Radiologiefachfrau tätig. Sie hat die Zeit der Silberhalogenidfilme miterlebt, als Röntgenbilder noch in der Dunkelkammer entstanden. Nun beschliesst sie ihre berufliche Karriere, um sich als Vizegemeindepräsidentin von Bulle und als Freiburger Grossrätin noch stärker politisch zu engagieren.
«Hoi! ... Entschuldigung, wo waren wir gerade? … Ach ja, ich habe meine Ausbildung also 1982 im Kantonsspital begonnen ... Ah, hallo! Wie gehts?»
Bevor wir uns mit Chantal Pythoud in der Cafeteria des HFR Riaz für dieses Interview trafen, hatten wir keine Vorstellung davon, wie unglaublich viele Leute sie dort kennt. Die Radiologiefachfrau (MTR) arbeitet seit über vierzig Jahren am HFR. Da kommen unweigerlich eine ganze Menge Patientinnen und Patienten und Mitarbeitende zusammen. Daneben engagiert sie sich politisch für die SP. Seit 2011 ist sie Freiburger Grossrätin, seit 2016 Gemeinderätin in Bulle, wo sie heute Vizegemeindepräsidentin ist – sie kennt also gefühlt jede und jeden!
Ende Juli nun geht sie in den vorzeitigen Ruhestand und wird so endlich «weniger unter Zeitdruck stehen», um all ihren Verpflichtungen nachzukommen. Seit zehn Jahren stemmt sie am HFR ein 60-Prozent-Pensum. Weitere 50 Prozent widmet sie der Kommunal-, 10 Prozent der Kantonspolitik. «Ich werde mich künftig im Grossen Rat stärker einbringen können, insbesondere in den Kommissionen. Und gleichzeitig auch mehr Zeit mit meinen Enkelkindern verbringen und meinen Lieblingssportarten nachgehen.»
Auch wenn Chantal Pythoud sich darauf freut, mehr Zeit für ihre politischen Ämter zu haben, bewegt es sie doch sehr, dieses lange Kapitel ihres Lebens abzuschliessen. Immerhin blickt sie auf 44 Jahre am HFR und seinen Vorgängerinstitutionen zurück! «Das Team wird mir fehlen», sagt sie, sichtlich gerührt. «Und auch die Patientinnen und Patienten. Von meinem Beruf habe ich noch lange nicht genug, ganz im Gegenteil! Auch wenn er viel zu wenig wertgeschätzt wird.»
Vom Gefühl, unfair behandelt zu werden
Chantal Pythoud setzt sich schon lange für die Arbeitsbedingungen der Arbeitnehmenden ein. Seit der Gründung des Verwaltungsrats des HFR im Jahr 2007 vertrat sie dort das Personal der Standorte im Süden des Kantons, nachdem sie zuvor Mitglied und später Vorsitzende der Personalkommission des HSF (Hôpital du Sud fribourgeois) gewesen war. Und natürlich nahm sie – vor ziemlich genau einem Jahr – am Streik der MTR teil. «Ich liebe meinen Beruf, weil er technische und menschliche Aspekte vereint. Wie die Pflegeberufe auf FH-Stufe werden wir in die Gehaltsklasse 17 eingestuft, während alle anderen Funktionen mit demselben Ausbildungsniveau beim Staat mindestens in Gehaltsklasse 18 fallen. Für meine Kolleginnen und Kollegen und mich bleibt dieses Gefühl, unfair behandelt zu werden.»
Dieses Gefühl trübt allerdings nicht den Blick zurück auf eine wunderbare Karriere, die 1985 im Kantonsspital beginnt, wo Chantal Pythoud zuvor eine dreijährige Ausbildung absolviert hat. Elf Jahre bleibt sie in Freiburg, die restlichen 29 Jahre ist sie in Riaz tätig.
Die organisatorischen Optionen – allen voran die Teilzeitbeschäftigung mit einem Pensum von weniger als 50 Prozent und den mit ihren Mutterpflichten kompatiblen Arbeitszeiten – haben mit dazu beigetragen, dass eine solch lange Karriere – mittlerweile eine Seltenheit in der Pflege – überhaupt möglich war. «Als Mutter von drei Kindern hatte ich das unglaubliche Glück, ein paar Jahre im Bereitschaftsdienst tätig bleiben zu können. Ich übernahm alle sechs Wochen einen Wochenenddienst, dazwischen vereinzelt Nachtdienste. Insgesamt kam ich so auf rund 20 Prozent. Dadurch konnte ich mit einem Fuss in der Branche bleiben und meinen Beschäftigungsgrad nach und nach erhöhen.» Und schliesslich ihre ganze Laufbahn dem Spital widmen. Die einzige Konstante während all dieser Jahre? Die Patientinnen und Patienten und ihre Anatomie! «Alles andere war in ständigem Wandel!»
Technische und strukturelle Entwicklungen
Chantal Pythoud war hautnah dabei bei den Entwicklungen im Bereich der Technik und des Spitals. Sie hat die Zeit der Silberhalogenidfilme miterlebt, als Röntgenbilder noch in der Dunkelkammer entstanden.
«Und als ich 1997 nach Riaz ins Greyerzer Bezirksspital kam, war es da noch ein wenig wie im Mittelalter ... Wir machten einfach alles: Röntgenaufnahmen, Terminvereinbarungen, Dossierverwaltung, das Auf- und Abhängen der Röntgenbilder für die Sitzungen, Archivierungsaufgaben, die Bereitstellung der Schalen für die Sterilisation und vieles mehr.»
Mit der Gründung des HSF im Jahr 2001 wurde die Radiologie endlich modernisiert. Seither verfügt sie über angemessene Räumlichkeiten und seit 2012 – mit der Inbetriebnahme eines MRI-Geräts – über eine moderne und umfassende technische Ausstattung. «Diese technischen und strukturellen Entwicklungen haben dazu beigetragen, dass meine berufliche Karriere so spannend war.»
Ihre Karriere im Spital neigt sich dem Ende zu, ihre politische Karriere in den verschiedenen Plenarsälen hingegen geht weiter. Auch wenn es alles andere als einfach ist, in der Politik Entscheidungen durchzubringen, kann sie dort dank ihrer langjährigen Erfahrung ihr geballtes Wissen über die Herausforderungen im öffentlichen Gesundheitswesen einbringen. Damit verfügt sie über Hintergrundwissen, das ihren Ratskolleginnen und -kollegen, die überwiegend aus dem Rechts-, Landwirtschafts- oder Bildungssektor kommen, oft fehlt.
Ihr Leitmotiv: Sie wird sich auch künftig an vorderster Front für das öffentliche Spitalwesen einsetzen.
Wir wünschen ihr von Herzen alles Gute für die Zukunft!