Die Stimme in deinem Kopf

Kategorie : HFR
Authored by Priska Rauber
Montag 5 Oktober 2026
1

Eine Zwangsstörung ist eine innere Stimme, die dich dazu drängt, bestimmte Dinge ständig zu wiederholen, um dich sicher zu fühlen. Die gute Nachricht: Das muss nicht so sein. Zusammen mit Psychologe Yannick Heim geben wir dir Tipps, was du dagegen tun kannst. 

 

Du liest vor dem Einschlafen gerne oder wäschst dir vor dem Essen die Hände? Das ist ganz normal. Diese kleinen Rituale gehören zu unserem Alltag und geben uns Sicherheit. Doch wenn eine innere Stimme dich ständig zwingt, bestimmte Dinge zu wiederholen, damit kein Unglück geschieht oder damit du dich weniger gestresst fühlst, nimmt das Ritual zu viel Platz ein und könnte eine Zwangsstörung sein.

Vielleicht reihst du deine Plüschtiere auf, bevor du ins Bett gehst (Ordnungszwang), wäschst dir vor dem Essen zehnmal die Hände (Waschzwang), kontrollierst nach der Gutenachtgeschichte dreimal, ob die Tür verschlossen ist (Kontrollzwang), oder hebst vor dem Essen fünfmal den Teller in die Luft (Wiederholungszwang). Oder dein Zwang ist nach aussen unsichtbar und du musst im Kopf ständig bestimmte Wörter wiederholen.

Du fühlst dich dadurch gestresst, kannst dich in der Schule nicht konzentrieren, verlierst die Freude am Spiel oder liegst nachts wach.

Gib der Zwangsstörung keine Chance!

Ob es sich um ein beruhigendes Ritual oder um eine Zwangsstörung handelt, kannst du ganz einfach herausfinden: Wie wirkt sich die Handlung in deinem Alltag aus? Hast du Angst, wenn du sie nicht ausführst? Yannick Heim ist Psychologe und kennt sich aus mit Zwangsstörungen. Das sagt er dazu: «Ist Angst im Spiel, muss das als Warnzeichen wahrgenommen werden. Kindern ist aber vielleicht nicht immer klar, dass es ein Problem gibt.»

Deine Eltern merken vielleicht, dass du gestresst bist, länger brauchst, um Dinge zu erledigen, oder wütend wirst, wenn dein Ritual unterbrochen wird. Dann ist es wichtig, dass sich daraus keine Zwangsstörung entwickelt. «Wird sie nicht rechtzeitig erkannt, besteht die Gefahr, dass sie chronisch wird», warnt der Psychologe. «Die Behandlung ist dann sehr viel schwieriger und raubt mehr Energie.»

Unbehandelt wird es immer schlimmer

Deine Eltern sollten also handeln. Auch wenn sie sehen, dass dich dein Ritual beruhigt, sollten sie es nicht akzeptieren oder sogar mitmachen. Denn es beruhigt dich nicht lange. Es führt eher dazu, dass es immer schlimmer wird.

Lass dir darum unbedingt helfen, denn eine Zwangsstörung geht leider nicht von allein wieder weg. Sprich zuerst mit deiner Kinderärztin oder deinem Kinderarzt über deine Zwänge. Mit einer Behandlung kann der Zwang gestoppt werden und es geht dir besser. «In den meisten Fällen braucht es eine kognitive Verhaltenstherapie», erklärt Yannick Heim. «Zusätzlich gibt es auch Medikamente, die helfen.»

Wie erkenne ich, ob mein Kind an einer Zwangsstörung leidet?

Eine Zwangsstörung zu erkennen, ist nicht immer einfach, «insbesondere, da der Mechanismus schleichend einsetzt, sich nach und nach verstärkt und immer mehr Raum einnimmt», betont Psychologe Yannick Heim. Ihr Kind wird wahrscheinlich dazu neigen, die Zwangsstörung zu verstecken, da es sich schämt.

Wenn Sie unsicher sind, stellen Sie Ihrem Kind folgende zwei Fragen:

«Hast du manchmal das Gefühl, etwas tun zu müssen, obwohl du es gar nicht willst?»
Falls Ihr Kind dies bejaht: 
«Wie fühlt es sich für dich an, wenn du es nicht schaffst?» 
Beantwortet Ihr Kind diese zweite Frage mit «Dann habe ich grosse Angst», ist es wichtig, die Kinderärztin oder den Kinderarzt darauf anzusprechen.

Es ist auch hilfreich, mehr über Zwangsstörungen zu erfahren und die Erkrankung so besser zu verstehen. Diese Website gibt dir und deinen Eltern viele nützliche Infos: www.zwaenge.ch