Mein Werdegang am HFR – eine Erfolgsgeschichte «Mein Team, meine Vorgesetzten und das Berufsbildungszentrum Pflege, die mich in meinen teils etwas verrückten Projekten unterstützten, machten es möglich!»
Ein Wahnsinnswille, man kann es nicht anders sagen, zeichnet Florence Lacombe, Stationsleiterin in der Kindernotaufnahme, aus. Innerhalb von nur gerade vier Jahren hat sie zwei Zertifikatslehrgänge absolviert, eine Führungsfunktion übernommen und ist zum zweiten Mal Mutter geworden.
«Heute gebe ich die Superschlaue, aber ganz ehrlich: Ich habe schon ein wenig Federn gelassen.» Willensstark, neugierig, lerneifrig: Bei Florence Lacombe sucht man vergeblich nach behäbiger Gemütlichkeit. Sie setzt lieber auf Tempo. Es erstaunt deshalb nicht, dass sie mittlerweile Expertin in Notfallpflege Pädiatrie und Stationsleiterin in der Kindernotaufnahme ist. Und ganz nebenbei noch Mutter von zwei Kindern.
Alles nimmt 2019 seinen Anfang, als Florence Lacombe ihre Tätigkeit in der Kindernotaufnahme des HFR aufnimmt – und das nur gerade zwei Tage nach ihrer Rückkehr von einem sechsmonatigen humanitären Einsatz im Kongo. «Eine komplett andere Welt! Aber ich war froh, dass das HFR das Nachdiplomstudium (NDS HF) anbot.» Die Rede ist von der Spezialisierung zur Expertin in Notfallpflege, Option Pädiatrie. Eine äusserst anspruchsvolle Ausbildung, bei der sich theoretische und praktische Module abwechseln, Prüfungen abzulegen und eine Diplomarbeit mit Literaturrecherche einzureichen sind. Die Ausbildung dauert in der Regel zwei, maximal vier Jahre.
Die Pflegefachfrau startet Anfang 2022 mit dem Ziel, die Ausbildung Ende 2023 abzuschliessen. Doch dann wird Ende 2022 die Stelle der Stationsleitung frei. Florence Lacombe ist interessiert, hat aber insbesondere aufgrund der laufenden Ausbildung nicht die besten Bewerbungschancen. Sie bewirbt sich trotzdem, denn eine ihrer Lieblingsdevisen lautet: «Wer nicht wagt, der nicht gewinnt». Und sie setzt noch einen oben drauf: Sie möchte nicht auf Vollzeit wechseln, sondern bei ihrem 80-Prozent-Pensum bleiben. «Ich hatte ja ein Kleinkind zu Hause. Und dann wurde ich tatsächlich genommen! Meine Vorgesetzten baten mich, ein CAS in Management zu absolvieren. Ich willigte ein, mein NDS HF auf Eis zu legen, bestand aber mit meinem Dickschädel darauf, die Ausbildung zu einem späteren Zeitpunkt fortzusetzen.»
Sie tritt ihre Führungsfunktion in jener aussergewöhnlichen Wintersaison 2022/2023 an, als enorm viele «Covid-Babys» an Bronchiolitis erkranken. Rund um die Uhr werden Säuglinge und Kinder mit Atemnot in die überfüllte Kindernotaufnahme eingeliefert. «Ich musste täglich Entscheidungen zur Krisenbewältigung treffen.» Trotz der vielen schlaflosen Nächte in diesem Winter fühlt sie sich durch diese Herausforderung in ihrer Führungsrolle bestärkt.
Von August bis Dezember 2023 kniet sich Florence Lacombe ins CAS rein: Das heisst, zwei Tage Unterricht pro Woche, «wahnsinnig viele Arbeiten, die eingereicht werden mussten» und weitere zwei Tage am HFR, um ihre ganze Arbeitswoche unter einen Hut zu kriegen. Die restlichen Tage widmet sie der Familie und den Vorbereitungen für den Unterricht. «Zwei Stunden Fokuszeit am Samstag, zwei weitere am Sonntag.»
Das NDS HF, das am Berufsbildungszentrum Pflege (BBZ) des HFR angeboten wird, soll im Oktober 2024 fortgesetzt werden. «Von Januar bis Oktober hatte ich somit nichts am Laufen, da dachte ich mir: ‹Warum nicht noch ein Baby machen?›.» Doch auch wenn die Waadtländerin vieles unter Kontrolle hat, folgt die Natur ihrem ganz eigenen Plan …
«Ich habe dem BBZ also mitgeteilt, dass ich die Ausbildung Ende 2025 abschliessen und in der Zwischenzeit noch einmal Mama werden möchte. Das BBZ und auch meine Vorgesetzten haben mich bei meinen etwas verrückten Plänen stets unterstützt. Ich stand viel im Austausch mit den Leuten des BBZ, um meinen Werdegang auf mich zuzuschneiden, sie haben mich da wirklich toll begleitet.» Und dass sie in all ihren Vorhaben sehr zielstrebig ist, bleibt dabei nicht unbemerkt. Florence Lacombe ist es an dieser Stelle wichtig, auf die Unterstützung ihres Teams hinzuweisen, das ihre Abwesenheiten stets abfederte.
Der wilde Ritt der Pflegefachfrau geht also mit Kind Nr. 2 weiter, das im Januar 2025 – später als geplant – auf die Welt kommt. Während ihres Mutterschaftsurlaubs bis Ende Mai arbeitet sie an ihrer Diplomarbeit, büffelt für die Prüfungssession im Juni und belegt im März einen einwöchigen Pflichtkurs.
«Da war meine Tochter zwei Monate alt. Mein Mann hat sie mir zum Stillen vorbeigebracht. Aus logistischer Sicht war das eine heisse Phase, das gebe ich zu. Mein Kopf lief den ganzen Mutterschaftsurlaub über auf Hochtouren. Das war alles andere als erholsam. Man darf auch nicht vergessen, dass man im Wochenbett nicht all seine Hirnzellen beisammen hat!» Und sie räumt ein, in dieser Zeit «Federn gelassen» zu haben, auch, da sie nicht viel von ihrem Neugeborenen hatte.
Doch sie ist der Ansicht, dass die Ausbildung zur Expertin, über ihre Freude an der Herausforderung hinaus, für ihre Rolle als Stationsleiterin zentral ist. «Damit bin ich zumindest auf dem Wissenstand unserer Expertinnen im Team.» Sie weiss auch, dass sie wohl zwei Leben bräuchte, um all das unterzubringen, was sie gerne tun würde – und dass sie bei 120 Prozent schlichtweg besser funktioniert als bei 100.
Das trifft sich gut, denn schon am 26. Mai nimmt sie ihre Tätigkeit wieder auf, bringt sich zunächst auf den neuesten Stand, um dann bereits eine Woche später, am 2. Juni, ihre theoretische Prüfung für das NDS HF abzulegen. Im Dezember absolviert sie ihre Abschlussprüfungen und beendet die Ausbildung erfolgreich.
Und jetzt? Sie lacht. «Aktuell schalte ich einen Gang zurück, um mich voll und ganz meiner Abteilung zu widmen. Und um mit den Gedanken mehr bei meiner Familie zu sein, wenn ich zu Hause bin. Es wird sich zeigen, ob ich eine weitere Ausbildung in Angriff nehme, die mich in meiner Tätigkeit weiterbringt.»
Wurde eigentlich schon erwähnt, dass Florence Lacombe gerade mal 34 Jahre alt ist?