Von der Pflegerin zur Fachexpertin für Infektionsprävention – eine Karriere im Dienste der Gesundheit

Kategorie : HFR
Authored by Lisa Oberson
Mittwoch 15 April 2026
Martine Saramon Sudan

Anfang der 1990er-Jahre verschlägt es Martine Saramon Sudan in die Schweiz, zunächst nach Riaz, dann nach Freiburg. Mittlerweile ist sie den Freiburger Spitälern seit über 35 Jahren treu. Ende April wird sie ein letztes Mal durch die Gänge laufen und sich persönlich von den Teams verabschieden, bevor sie ihren Badge abgeben und ihren wohlverdienten Ruhestand antreten wird.

Mit ihrem unverkennbaren Akzent nimmt sie uns mit auf eine Reise in die Vergangenheit und erzählt von ihrem Werdegang. Ihre ersten beruflichen Erfahrungen macht Martine Saramon Sudan in Südfrankreich. In Auch erwirbt sie ihr Pflegediplom und tritt als Instrumentierschwester im damals gerade erst eingeweihten Hôpital Lapeyronie in Montpellier ihren Dienst an.

«Im medizinischen Bereich zu arbeiten war eigentlich keine Berufung, vielmehr haben mich der Zufall und die Lebensumstände dorthin geführt, und ich habe meinen Weg gefunden.» - Martine Saramon Sudan

Nach einem kurzen beruflichen Intermezzo in den USA und einigen Monaten als Aushilfe verspürt sie das Bedürfnis, es etwas ruhiger anzugehen und sich nach besseren Arbeitsbedingungen umzusehen. Da erzählt ihr eine in La Chaux-de-Fonds lebende Freundin von der Schweiz. Martine Saramon Sudan kontaktiert daraufhin ihre Arbeitsvermittlungsagentur. «Zwei Tage später kam der Bescheid: ‹Es gibt eine freie Stelle als Instrumentierschwester im Operationstrakt in Riaz.› Ich kaufte mir also eine Schweizer Karte, packte meine Siebensachen und machte mich in meinem Peugeot auf den Weg!» Das war 1991. Seither hat sie unseren schönen Kanton nie mehr verlassen.

Auf der Überholspur

Martine Saramon Sudan bleibt fast zehn Jahre im Hôpital de la Gruyère in Riaz. Dort lernt sie die Schweizer Kultur kennen und stellt sich den mit der Integration verbundenen Herausforderungen. Dank ihres Engagements und ihrer Professionalität wird sie von ihren Kolleginnen und Kollegen geschätzt, im Operationstrakt fühlt sie sich gut aufgehoben. Im Laufe der Jahre weitet sie ihre Fähigkeiten als Instrumentierschwester auf mehrere Fachgebiete aus, bildet sich im Bereich der Spitalsterilisation (Niveau 1) weiter und erwirbt 1994 das Diplom Fachfrau Operationstechnik. Ihre Tage sind durchgetaktet, ein Eingriff folgt auf den nächsten, es gibt keine Pausen. «Die Jahre zogen ins Land, das Arbeitstempo nahm stetig zu, schliesslich waren wir mit einer Unterbesetzung konfrontiert. Und da wurde mir bewusst, dass ich kurz vor einem Burnout war und ich den Schongang einlegen musste.»


Sie beschliesst, dem Operationssaal den Rücken zu kehren, um sich weiterzuentwickeln und andere Bereiche des Gesundheitswesens kennenzulernen. Sie absolviert eine Weiterbildung in Infektionsprävention und das Niveau 2 im Bereich der Spitalsterilisation. Durch einen glücklichen Zufall macht sie am Kantonsspital Bekanntschaft mit der Sterilisationsverantwortlichen, die gerade auf der Suche nach einer neuen Stellvertretung ist. Martine Saramon Sudan packt die Gelegenheit beim Schopf und kommt 2001 nach Freiburg. In der Zentralsterilisation arbeitet sie allerdings nur wenige Monate. Als eine Mitarbeiterin in Pension geht, nutzt sie die Gelegenheit und übernimmt die Funktion als Pflegefachfrau in der Abteilung Spitalhygiene.


In dieser neuen Funktion verfügt sie als ausgebildete Instrumentierschwester zwar über keinerlei praktische Erfahrung in der Infektionsprävention, bringt aber das theoretische Rüstzeug mit. Prof. Dr. med. Christian Chuard, Infektiologe und damaliger Leiter der Abteilung Spitalhygiene, nimmt sie unter seine Fittiche. «Ich war die einzige Pflegefachperson für Infektionsprävention im Team von Prof. Chuard. Bei ihm habe ich mein Handwerk erlernt. Dazu gehörte, kritisch zu denken und mich als Fachexpertin zu positionieren.» In ihrer neuen Rolle als Fachexpertin für Infektionsprävention soll sie nahe an der Praxis bleiben, und das spornt sie an: «Ich bin wirklich sehr gerne im Kontakt mit Menschen. So sehe ich, wie die Lage vor Ort ist und kann den Leuten umsetzbare Massnahmen vorschlagen.» Zusätzlich zu ihrer Funktion wird sie aufgrund ihrer Weiterbildung im Bereich der Sterilisation zur Ansprechperson Materiovigilance ernannt.

Ein erfüllender Job

Im Jahr 2007 wird das freiburger spital (HFR) gegründet. Um die steigende Arbeitslast und das Auftreten multiresistenter Erreger zu bewältigen, wird ein bereichs- und standortübergreifendes zweisprachiges Team gebildet. Die Fachexpertin für Infektionsprävention übernimmt 2009 die Leitung der Abteilung Spitalhygiene und beteiligt sich an der Erarbeitung des Pflichtenhefts und am Aufbau der Abteilungsorganisation. Zudem belegt sie zusätzliche Kurse am HFR und schliesst ihre Management-Grundausbildung mit eidgenössischem Fachausweis ab. Ihre Aufgaben findet sie sehr spannend, und es freut sie, dass sie die Abteilung voranbringen kann. «Es lag mir wirklich am Herzen, der Abteilung Spitalhygiene zu mehr Sichtbarkeit zu verhelfen. In unserer Abteilung verfolgen wir einen präventiven Ansatz, es geht also nicht ganz so spektakulär zu und her wie in der Notaufnahme oder auf der Intensivstation, wo Leben gerettet werden. Bei uns sind die Resultate weniger direkt sichtbar, doch wir agieren im Dienst der Bevölkerung.» Und diese Motivation begleitet sie bis zum heutigen Tage.


Martine Saramon Sudan schätzt zudem die überschaubare Grösse des HFR. «Das hat eine sehr spontane Seite: Man sucht den Kontakt, baut eine vertrauensvolle Beziehung auf und wird wiedererkannt – das scheint mir hier gegeben.» Die Spitalhygiene ist eine Supportabteilung, da sind die Zusammenarbeit und der Kontakt mit den Führungskräften und den Mitarbeitenden zentral. «Ich finde, dass unser Spital eine gute Grösse hat, man weiss rasch, wo wir jene finden, die uns weiterhelfen können. Sich zu kennen, ist wichtig und trägt zum Erfolg bei. Darauf lege ich grossen Wert.» Ihr Dank gilt übrigens allen, die ihr in ihrer Zeit hier begegnet sind und mit denen sie zusammengearbeitet hat.


Fragt man sie nach ihren Zukunftsplänen, schwebt Martine Saramon Sudan schon so einiges vor: Vielleicht werde sie in ihrem Heimatdorf ein genossenschaftliches Café eröffnen, ehrenamtlich tätig sein oder sich weiterhin ihrem Garten widmen. Da sie sich ihrem Heimatland und ihrer Wahlheimat gleichermassen verbunden fühlt, möchte sie zwischen den beiden Welten hin- und herpendeln. Eines jedoch ist sicher: Sie freut sich auf ruhigere Tage!

Martine Saramon Sudan