Dank Technologie mehr Zeit am Patientenbett
Am HFR halten vernetzte Türme schrittweise Einzug in die stationären Abteilungen. Sie sind als mobile Arbeitsplätze konzipiert und vereinen in einem einzigen System Computer, Pflegematerial sowie, je nach Bedarf, medizintechnische Geräte. Das Ergebnis: weniger Leerläufe, weniger doppelte Dateneingaben und vor allem mehr Zeit für die Patientinnen und Patienten.
Bislang umfassten die Arbeitsplätze des Pflegepersonals eine Vielzahl einzelner Geräte und Hilfsmittel: Laptop, Rollwagen, Pflegematerial, medizintechnische Geräte und manchmal sogar einen Notizblock, auf dem Vitalwerte festgehalten wurden, bevor sie später in das elektronische Patientendossier übertragen wurden. Aus dieser Ausgangslage heraus entstand am HFR das Projekt der vernetzten Türme. Die Idee: Alles, was bisher an verschiedenen Orten verteilt war, an einem einzigen mobilen Arbeitsplatz zu vereinen.
Konkret ist ein vernetzter Turm somit nichts anderes als ein mobiles Stationsbüro, ein Büro auf Rollen. Ausgestattet ist es mit einem Bildschirm, einer Tastatur, Stauraum und sämtlichem Material, das für die Pflege benötigt wird. Je nach Ausführung gehören auch medizintechnische Geräte dazu, mit denen Vitalwerte direkt am Bett gemessen werden können. Das Prinzip ist einfach: Alle Tools, die für die Pflege, Dokumentation und Nachverfolgung der Versorgung erforderlich sind, stehen genau dann und dort zur Verfügung, wo sie gebraucht werden.
Eine der wichtigsten Neuerungen betrifft die Datenübertragung. Mit den vernetzten Türmen können Vitalparameter nach der Messung direkt in das elektronische Patientendossier übertragen werden. Eine manuelle Übertragung entfällt somit. Das bringt den Teams gleich zwei Vorteile: Zum einen sparen sie Zeit, zum anderen sinkt das Risiko, dass beim Übertragen der Informationen Fehler passieren.
Dieser Nutzen wird im Arbeitsalltag schnell spürbar. Noël Haymoz, Pflegefachmann in der Abteilung Innere Medizin des HFR Tafers, berichtet, dass das neue System viele Leerläufe erspart, weil sich alles Nötige direkt auf dem Turm befindet. Zudem betont er, dass sich das Team – trotz unterschiedlicher Generationen und unterschiedlicher digitaler Vorkenntnisse – schnell mit dem neuen Tool vertraut gemacht hat. So verschwand die anfängliche Skepsis bereits nach einem oder zwei Tagen und das System wird mittlerweile ganz selbstverständlich genutzt.
Der grösste Mehrwert liegt jedoch nicht in den Bildschirmen oder den digitalen Daten – sondern dort, wo die Pflege stattfindet: im Patientenzimmer. Sophia Bourouay, Stationsleiterin der Abteilung Orthopädie am HFR Freiburg – Kantonsspital, bringt es auf den Punkt:
«Die vernetzten Türme bringen den Arbeitsplatz ins Zimmer. Die Daten sind sofort verfügbar und die Teams verbringen mehr Zeit bei den Patientinnen und Patienten.»
Mit anderen Worten: Die Technologie schafft nicht Distanz zwischen dem Pflegepersonal und den Patientinnen und Patienten, sondern bringt sie näher zusammen. Auch Christophe Bosteels, Leiter des Projekts der vernetzte Türme, betont, dass Technologie die zwischenmenschlichen Beziehungen in der Pflege stärken kann.
Eine weitere Stärke des Projekts liegt darin, dass es nicht losgelöst vom Arbeitsalltag entwickelt wurde. Christophe Bosteels erklärt, dass Pflege, IT und Medizintechnik von Beginn an gemeinsam an der Umsetzung gearbeitet haben. In einem Pilotprojekt konnten die Turmmodelle zudem konsequent an die praktischen Bedürfnisse angepasst werden – von der Handhabung über die Ergonomie bis hin zur Anordnung der Schubladen, der Auswahl der IT-Ausstattung und der Nutzung im Patientenzimmer.
Auch die Einführung in den Abteilungen wurde sorgfältig vorbereitet. So erfolgte die Integration denn auch nicht von heute auf morgen, wie Sophia Bourouay erläutert:
«Teamsitzungen, Diskussionsrunden und eine vorausschauende Planung boten Zeit und Raum, um Fragen, Bedenken und Ideen einzubringen. Dabei zeigte sich, dass die Akzeptanz des neuen Arbeitsgeräts ebenso sehr von der Teamdynamik abhing wie von der Technologie selbst.»
Die vernetzten Türme sind weit mehr als ein Ersatz für bestehende Geräte: Vielmehr bilden sie eine Plattform, in die sich in Zukunft weitere medizinische Geräte integrieren lassen, um den Anforderungen der Medizin von morgen gerecht zu werden.
Die Einführung der vernetzten Türme am HFR zeigt somit ganz konkret, dass die Modernisierung des Arbeitsplatzes nicht nur dazu dient, Prozesse effizienter zu gestalten: Sie schafft vor allem Freiräume für das Wesentliche – mehr Zeit, mehr Ruhe und mehr Nähe zu den Patientinnen und Patienten.