KI im Spital: mehr Zeit für die Patientinnen und Patienten

Kategorie : HFR
Authored by Nadine Clément
Dienstag 3 Februar 2026

Zeit ist in Spitälern bekanntlich eine knappe Ressource. Die Anzahl Konsultationen steigt kontinuierlich, doch gleichzeitig nehmen die administrativen Anforderungen zu. Oft bleibt dabei weniger Zeit für das Wesentliche: den direkten Kontakt mit den Patientinnen und Patienten. Ein besonders zeitintensiver, aber unverzichtbarer Bestandteil des medizinischen Alltags ist das Verfassen von Berichten. Diese Aufgabe bindet wertvolle Ressourcen. Aus dieser Herausforderung entstand Nablo, ein internes Tool, das von der Direktion Informationssysteme (DIS) des HFR in enger Zusammenarbeit mit den Ärztinnen und Ärzten der Abteilung Orthopädie entwickelt wurde. 

Nablo erstellt medizinische Berichte automatisch aus Konsultationen. Dabei werden sowohl die Vertraulichkeit der Patientendaten als auch die strengen Anforderungen des Gesundheitswesens konsequent eingehalten.
Welche Herausforderungen die Einführung einer solchen KI-Lösung im Spitalumfeld mit sich bringt, hat uns Jérémie Rossier, diplomierter Softwareentwicklungsingenieur und Entwickler in der DIS, erklärt.
 

Jérémie Rossier Développeur à l'HFR
Aus der Praxis, für die Praxis

Eine stetig wachsende Anzahl Konsultationen, hoher administrativer Aufwand, fehlende Standardisierung der Berichte und massive Verzögerungen bei den Austrittsberichten: Diese Herausforderungen prägten bis vor Kurzem den klinischen Alltag in der orthopädischen Chirurgie. Für Prof. Tit. Clin. Dr. med. Gianluca Maestretti, Chefarzt a. i. der Klinik für orthopädische Chirurgie, und Dr. med. Fatos Ramadani, Oberarzt, wurde klar, dass es einer technologischen Lösung bedurfte, um diese Belastung und die damit verbundenen Kosten nachhaltig zu senken.
Parallel dazu erhielt Jérémie Rossier von der DIS den Auftrag, KI-basierte Lösungen zur Automatisierung bestimmter administrativer Aufgaben zu evaluieren. Noch bevor es zu einer formellen Zusammenarbeit kam, trafen die medizinischen Teams und der Ingenieur unabhängig voneinander dieselbe Wahl: Mit Nabla fiel ihre Entscheidung auf eine europäische KI-Technologie, die den Datenschutzanforderungen des Gesundheitswesens entspricht und speziell auf die Erstellung medizinischer Konsultationsberichte ausgerichtet ist.

 Die Ziele sind klar: Zeit sparen, die Qualität der Berichte verbessern sowie die medizinischen Teams und Sekretariate entlasten.

«Wir verbrachten zu viel Zeit mit Aufgaben mit geringem Mehrwert – auf Kosten der Zeit, die wir den Patientinnen und Patienten widmen konnten», fasst Jérémie Rossier zusammen.

Eine für und mit Ärztinnen und Ärzten entwickelte Technologie

Schon früh stellte er fest, dass die von Nabla bereitgestellte Lösung zwar sehr effizient war, aber auch Grenzen hatte und dass eine massgeschneiderte Schnittstelle ein echter Gewinn für den Erfolg des Projekts wäre.

«Also habe ich begonnen, das Tool weiterzuentwickeln. Meine Kolleginnen und Kollegen aus der DIS und ich haben die Architektur von Nablo aufgebaut und die Datenflüsse konfiguriert. Die Entwicklungsarbeit erfolgte agil und in enger Zusammenarbeit mit den Ärztinnen und Ärzten. Meiner Ansicht nach ist es unsere Aufgabe, die beruflichen Anforderungen der Ärztinnen und Ärzte in technische Spezifikationen zu übersetzen.»

team développement hfr

Im Gegensatz zu schlüsselfertigen Lösungen bietet Nablo somit entscheidende Vorteile:

  • vollständige Datenkontrolle;
  • präzise und vollständige Integration in die bestehenden Systeme des HFR;
  • sowie insbesondere eine kontinuierliche Weiterentwicklung, die sich ganz eng an den spezifischen Bedürfnissen der einzelnen Abteilungen orientiert.

«Um regelmässig Feedbacks aus der Praxis einzuholen und zu vermeiden, dass wir an den Bedürfnissen vorbei entwickeln, haben wir alle zwei bis drei Wochen Zwischenbilanzen aus der Praxis eingeholt.» 

Und auch bei der Priorisierung neuer Funktionen spielten die Ärztinnen und Ärzte eine zentrale Rolle. 
Jérémie Rossier verrät uns, dass die grössten Herausforderungen dabei nicht nur technischer, sondern auch menschlicher Natur waren: So stossen Veränderungen im Arbeitsalltag nicht immer unmittelbar auf Gegenliebe. Entscheidend für die Akzeptanz des Tools waren daher praktische Demonstrationen sowie die klare Unterstützung durch die Chefärztinnen und Chefärzte und das Engagement der medizinischen Bezugspersonen. Sie halfen dabei, den konkreten Mehrwert von Nablo sichtbar zu machen und das Vertrauen in die neue Lösung zu stärken.
 

KI im Spital: Einsatz mit Augenmass

Grundsätzlich ist klar: KI ist ein Hilfsmittel, kein Entscheidungsinstrument.

Im Zentrum des Prozesses steht weiterhin der Mensch, insbesondere die Ärztin oder der Arzt. Jérémie Rossier erläutert, dass derzeit unterschiedliche Arten von KI auf dem Markt sind: «Es gibt KI-Technologien zur Unterstützung der Diagnosestellung und andere, die wie Nabla administrative Aufgaben automatisieren.» Weiter erzählt er, einige Abteilungen hätten sich bewusst dafür entschieden, bestimmte Abschnitte der medizinischen Dokumentation, insbesondere jene zur Diagnosestellung, vollständig in ärztlicher Hand zu belassen. Dies insbesondere im Rahmen der Ausbildung von Assistenzärztinnen und Assistenzärzten, bei welcher der Fokus weiterhin auf dem Lernprozess liegt.
 

Nächste Schritte und Herausforderungen

Nablo hat in der Orthopädie bereits sehr positive Ergebnisse geliefert. Das Projekt wird daher nun schrittweise in anderen Abteilungen des HFR eingeführt, unter anderem in der Gynäkologie und der pädiatrischen Notaufnahme. Dort kommt Nablo ab Anfang Februar zum Einsatz.
Weitere Abteilungen wie etwa die Diabetologie und die Notaufnahme befinden sich noch in der Testphase.


Sehen Sie sich das Video an und erfahren Sie mehr darüber, wie Nablo funktioniert.