Das HFR Riaz im Dienste der älteren Freiburgerinnen und Freiburger

Kategorie : HFR
Authored by Priska Rauber
Dienstag 31 März 2026
En immersion

Ende 2025 wurde die stationäre Reorganisation der regionalen Standorte des HFR abgeschlossen und der Standort Riaz damit zum kantonalen Referenzzentrum für die Behandlung älterer Menschen. Die Infrastruktur wird laufend an die zunehmende Alterung der Bevölkerung angepasst, die Betten für die Geriatrie werden aufgestockt. Tauchen Sie ein in die Abteilung Akutgeriatrie, in der rund ein Dutzend Fachgebiete, hohe Fachkompetenz und viel Menschlichkeit aufeinandertreffen. 

 

Zu einer guten Betreuung gehört weit mehr, als ein Medikament zu verabreichen, eine geschwächte Niere zu stabilisieren oder ein Herz, das aus dem Takt geraten ist, wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Insbesondere in der Geriatrie bedeutet eine gute Versorgung nicht nur, die oftmals vielfältigen Krankheiten einer Person zu berücksichtigen, sondern auch ihre Autonomie, ihren kognitiven Zustand, ihre soziale Situation und ihre Lebensqualität einzubeziehen. «Die multidisziplinäre Betreuung macht daher die Behandlung älterer Menschen besonders», erklärt Dr. med. Francesco Cilla, Leitender Arzt der Akutgeriatrie.

So arbeiten auf den Stockwerken D, F und G des HFR Riaz Ärztinnen und Ärzte, Pflegefachpersonen, Physio- und Ergotherapeutinnen und -therapeuten, Ernährungs- und Patientenberaterinnen und -berater sowie Spezialistinnen und Spezialisten der Neuropsychologie und Logopädie. Ihr gemeinsames Ziel ist es, den Patientinnen und Patienten möglichst lange ein selbstständiges Leben in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen und ihnen die bestmögliche Lebensqualität zu bieten. An diesem Ziel orientieren sich alle medizinischen Entscheidungen.

Die Fachkräfte treffen sich zweimal pro Woche zu interdisziplinären Kolloquien, um sich über die Entwicklung und die weitere Betreuung jeder einzelnen Person auszutauschen. «Es finden nicht nur Gespräche mit den Teams und den Patientinnen und Patienten, sondern häufig auch mit den Angehörigen statt», ergänzt Francesco Cilla. Wie in der Pädiatrie ist auch hier die Familie ein integraler Bestandteil der Betreuung. Auf jedem der drei Stockwerke mit Geriatriebetten wurde eigens ein Aufenthaltsraum eingerichtet.

Ebenfalls zentral und spezifisch für die Geriatrie sind die umfassende Beurteilung der Patientinnen und Patienten bei der Aufnahme sowie eine gezielte Rehabilitation. «Die meisten älteren Menschen sind bereits gebrechlich und bauen rasch ab», erklärt Francesco Cilla. Um einem Verlust der Selbstständigkeit vorzubeugen, der sehr schnell eintreten kann, beurteilen die Teams die funktionellen Fähigkeiten, das Sturzrisiko, den Ernährungszustand, den kognitiven Status sowie das soziale Umfeld. So lassen sich frühzeitig Probleme erkennen, die eine Rückkehr nach Hause gefährden könnten. 
Dieser Ansatz trägt dazu bei, Risiken wie eine körperliche Dekonditionierung, Unterernährung, Komplikationen infolge von Immobilisierung oder die Entwicklung einer dauerhaften Abhängigkeit zu verringern. «Unsere Patientinnen und Patienten absolvieren bis zu 300 Minuten Training pro Woche. Sie tun dies jedoch mit dem Wissen, dass sie dadurch schneller nach Hause können», fügt Francesco Cilla hinzu.

"Wir behandeln den Menschen, nicht nur die Krankheit.

Ältere Patientinnen und Patienten leiden häufig an mehreren Krankheiten gleichzeitig, nehmen zahlreiche Medikamente mit entsprechendem Risiko für Wechselwirkungen ein und zeigen oft atypische Symptome, etwa eine Infektion ohne Fieber oder einen Herzinfarkt ohne Schmerzen. Hinzu kommen kognitive Beeinträchtigungen oder neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer. «Das alles kann sich überlagern. Deshalb sage ich immer: Wir behandeln den Menschen, nicht nur die Krankheit.», so der Geriater. (Ü image visite med en chambre)

Bei einem jüngeren Menschen, der beispielsweise an einer Lungenentzündung leidet, steht die Behandlung der Infektion im Vordergrund. Die gleiche Lungenentzündung erfordert bei einem älteren Menschen zwar ebenfalls eine medizinische Therapie, führt jedoch häufig zu einer Dekompensation bestehender Grunderkrankungen wie einer Herzinsuffizienz oder Diabetes. Zudem kann sie einen Sturz auslösen und damit einen Funktionsverlust nach sich ziehen. In der Geriatrie muss daher ganzheitlich statt organzentriert gedacht werden.

 
Das macht sie zu einem anspruchsvollen, zugleich aber sehr menschlichen Fachgebiet, das ein feines klinisches Urteilsvermögen, eine kontinuierliche interdisziplinäre Zusammenarbeit sowie eine besondere Sensibilität für ethische und zwischenmenschliche Aspekte erfordert. Es ist ein Fachgebiet, das der Pflege Sinnhaftigkeit verleiht und den Menschen in den Mittelpunkt stellt. Und der Bedarf an geriatrischen Leistungen wird weiter zunehmen: Bis 2040 wird der Anteil der über 80-Jährigen voraussichtlich um 119 Prozent steigen.