«Ich verdanke es dem HFR, dass ich noch am Leben bin»
Renata Schmitz-Bertogg wird am freiburger spital (HFR) mit einer neuartigen Immuntherapie gegen eine aggressive Form von Lungenkrebs behandelt. Wir haben sie in der Abteilung Onkologie des HFR Freiburg – Kantonsspitals nach der Verabreichung ihrer Infusion getroffen und nachgefragt, wie sie die neue Behandlungsmöglichkeit erlebt.
Frau Schmitz-Bertogg, Sie sind heute von weit her angereist, nicht wahr?
Mein Neffe hat mich frühmorgens mit dem Auto hergefahren. Ich wohne in Wangen an der Aare, da dauert die Anreise eine gute Stunde.
Diesen Weg nehme ich gerne auf mich. Ich verdanke es dem HFR, dass ich noch am Leben bin. Zuvor war ich am Inselspital in Bern und hatte alle Therapiemöglichkeiten ausgeschöpft. Die Ärztinnen und Ärzte dort schlugen mir vor, bei einer Studie in Freiburg mitzumachen, bei der ein neues Medikament zur Verfügung steht. Da dachte ich mir: Ich gehe mal nach Freiburg und höre mir das an.
Wie verlief dieses erste Gespräch?
Der zuständige Arzt hat mir alles genau erklärt. So hatte ich von Anfang an grosses Vertrauen. Er sprach Deutsch. Das war wichtig, denn ich spreche zwar etwas Französisch, aber zum Verständnis von medizinischen Informationen reicht es nicht. Ich erfuhr, dass ich an einer Studie teilnehmen könnte, bei der im Losverfahren bestimmt wird, wer das neue Medikament bekommt. Ich versuchte mein Glück und gehöre zur Gruppe, der das neue Medikament verabreicht wird. Seither komme ich alle zwei Wochen nach Freiburg in die Behandlung.
Wie wurden Sie in Freiburg aufgenommen?
Die Menschen hier sind ausgesprochen freundlich. Man spricht alle Patientinnen und Patienten mit Namen an, was nicht selbstverständlich ist. Zudem bin ich immer mit denselben beiden Personen in Kontakt, dem Arzt und der Studienkoordinatorin, was sehr angenehm ist. Für mich ist auch wichtig, dass es kaum Wartezeiten gibt, so kann ich die Heimreise bereits im Voraus gut planen.
Wie haben Sie auf die Medikamente reagiert?
Sie halten meine Krankheit in Schach. Ich spüre zwar Nebenwirkungen wie Müdigkeit und einen verminderten Geschmackssinn, aber damit kann ich leben. Zum Glück bin ich jemand, der sehr gut schläft. So verbringe ich die Zeit nach der Behandlung einfach im Bett.
Wie schaffen Sie es, mit Ihrer schweren Krankheit zu leben?
Ich bin halt ein sehr positiver Mensch und lasse es nicht zu, dass der Krebs mein Leben bestimmt. Es hilft mir, ganz bewusst nicht an meine Krankheit zu denken und mich stattdessen mit meinen Hobbies zu beschäftigen. Ich stricke, nähe und bastle gerne, kümmere mich um meinen kleinen Hund und male. Oder ich koche etwas für meine Tochter.
Diese hat kürzlich Hochzeit gefeiert – und Sie waren dabei!
Ja, und ich habe die Hochzeitstorte gebacken! Aufgrund meiner Krankheit musste ich nach dem Fest allerdings früh aufbrechen, gegen elf Uhr abends.
Das ist doch eher spät.
Ach, Sie wissen nicht, wie lange ich früher gefeiert habe. Aber ja, ich kann mein Leben noch immer geniessen und werde von meinen Freundinnen und meiner Familie unterstützt.
Haben Sie einen Lieblingsort am HFR?
(Lacht) Die Cafeteria.
Am freiburger spital können gewisse Patientinnen und Patienten im Rahmen von internationalen Studien mit innovativen Medikamenten behandelt werden – und das rund fünf bis zehn Jahre bevor diese auf dem Schweizer Markt verfügbar sind. Die Patientinnen und Patienten werden dabei engmaschig begleitet.
Die Anforderungen, damit eine Abteilung solch frühe Studien durchführen kann, sind streng: Sie muss vorweisen, dass sie über die nötige Fachexpertise verfügt. Diese muss interdisziplinär sein. «Ein einzelner Arzt oder eine einzelne Ärztin reicht heute nicht mehr», erklärt Alessandra Curioni-Fontecedro, Professorin und Chefärztin Onkologie. «In der Onkologie ist die Forschung derart dynamisch, dass wir uns in Fachgruppen aufteilen müssen, um auf dem Laufenden zu bleiben.» Auch die Leistungen der Spitalpharmazie, des Labors und der Forschungsdatenbank werden vor der Zertifizierung unter die Lupe genommen, ethische und rechtliche Standards müssen eingehalten werden.
Patientinnen und Patienten, die für die Teilnahme an einer Phase-I-Studie in Frage kommen, werden nach klar definierten medizinischen Kriterien ausgewählt. Ob sie schon am HFR behandelt, von ihrer Ärztin oder ihrem Arzt überwiesen werden oder sich selber melden, spielt dabei keine Rolle. Sobald sie in die Studie aufgenommen wurden, kann mit der Behandlung begonnen werden. Diese wird besonders engmaschig überwacht, damit Risiken wie starke Nebenwirkungen umgehend erkannt werden. Die Sicherheit der Patientinnen und Patienten steht immer an oberster Stelle. Die Teilnehmenden haben selbstverständlich jederzeit die Möglichkeit, sich aus der Studie zurückzuziehen und die Behandlung abzubrechen.