Erfolgreiche Beikosteinführung bei Nahrungsmittelallergien

Kategorie : Fachgebiete
Authored by Laura Uysal
Montag 5 Oktober 2026
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Schon im Alter von vier bis sechs Monaten kann beim Säugling mit der Beikost begonnen werden. Das schliesst auch allergene Lebensmittel mit ein. Wichtig dabei ist, dass die Einführung schrittweise, regelmässig und auf das Kind abgestimmt erfolgt.

«Immunologisches Fenster»

Im Alter zwischen vier und sechs Monaten durchläuft der Säugling eine wichtige Phase seiner Entwicklung, die als «immunologisches Fenster» bezeichnet wird.

«Es ist der ideale Zeitpunkt, um Nahrungsmittel, auch solche mit Allergenen, einzuführen, um deren Verträglichkeit zu fördern und das Allergierisiko zu senken», erläutert Christelle Ducrest, Ernährungsberaterin am HFR. «Eine regelmässige Exposition hilft, die Verträglichkeit aufrechtzuerhalten.»

Vor dem vierten Lebensmonat ist das Verdauungssystem des Babys noch nicht reif genug für feste Nahrung. Erfolgt die Einführung der Beikost zu früh, kann die Aufnahme wichtiger Inhaltsstoffe der Muttermilch beeinträchtigt werden. Im Alter von sechs Monaten steigt jedoch der Bedarf an gewissen Nährstoffen wie Eisen. Zeit also, mit der Beikost zu starten.

Entgegen der weitverbreiteten Meinung beugt das Hinauszögern der Einführung von Allergenen Allergien nicht vor. Vielmehr steht es im Verdacht, das Allergierisiko zu erhöhen.

Optimale Einführung von Allergenen

Führen Sie Allergene schrittweise und kontrolliert ein.

Säuglingsnahrung enthält oft bereits Kuhmilch. Ein gut durchgekochtes Ei kann bereits im Alter von vier bis sechs Monaten angeboten werden. Führen Sie Erdnüsse, Fisch und Nüsse nach und nach und den Ernährungsgewohnheiten der Familie entsprechend ein. Achten Sie auf eine altersgerechte Form und Textur (z. B. Erdnussbutter).

Bei der Einführung muss keine bestimmte Reihenfolge berücksichtigt werden, erklärt die Ernährungsberaterin. Manche Familien führen gerne mehrere neue Lebensmittel gleichzeitig ein, andere gehen lieber schrittweise vor. Bei einer atopischen Veranlagung (genetisch bedingte Überempfindlichkeitsreaktion) kann es jedoch hilfreich sein, Allergene einzeln einzuführen, um eine mögliche Reaktion leichter zuordnen zu können.

Anzeichen einer allergischen Reaktion

Eine allergische Reaktion kann verschiedene Systeme des Körpers betreffen, manchmal auch unabhängig voneinander. Sie kann sich auf der Haut (Ausschlag, Juckreiz), in den Atemwegen (Husten, Heiserkeit) oder im Verdauungssystem (Übelkeit, Erbrechen) bemerkbar machen. Auch das Herz-Kreislauf-System kann betroffen sein, was als Notfall einzustufen ist. Anzeichen dafür sind ein beschleunigter Herzschlag oder ein Blutdruckabfall.

Vererbte Veranlagung

Haben die Eltern oder Geschwister Allergien, hat das Kind ein erhöhtes Allergierisiko. Dann ist es besonders wichtig, mit dem Einführen von Allergenen in den ersten vier bis sechs Lebensmonaten zu starten.

Stillen wird besonders für Babys mit Allergierisiko empfohlen. Ist das nicht möglich, ist die Verwendung von teilweise oder vollständig hydrolysierter Milch (hypoallergene Säuglingsmilch) jedoch meist nicht notwendig. Die meisten Babys vertragen Kuhmilcheiweiss gut, hydrolysierte (therapeutische) Produkte sind deshalb nur bei einer nachgewiesenen Allergie nötig.

«Jedes Baby ist einzigartig, da gibt es kein strenges Protokoll», betont Christelle Ducrest. «Dank einer persönlichen Ernährungsberatung erhalten die Eltern konkrete Tipps, die sie bestärken und gleichzeitig die Entwicklung des Kindes berücksichtigen.» Liegt eine Allergie vor, empfiehlt es sich, eine Allergologin oder einen Allergologen hinzuzuziehen.

Vorurteile auf dem Prüfstand

Die Einführung von Zucker und Salz wird vor dem 1. Geburtstag nicht empfohlen. Darüber hinaus darf jede Familie ihrem eigenen Rhythmus folgen. Wichtig dabei ist einzig, einen abwechslungsreichen Speiseplan anzubieten. Dabei darf den kulturellen Gegebenheiten und Ernährungsgewohnheiten der Familie durchaus Rechnung getragen werden.

Wichtige Ausnahme: Kinder unter 12 Monaten sollten wegen des Botulismusrisikos keinen Honig essen. Die Empfehlungen für Schwangere gelten zudem auch für Kinder bis 5 Jahre.

Warum eine Ernährungsberatung?

Eine Ernährungsberatung bietet sich an, wenn eine Allergie diagnostiziert wurde. So kann eine auf das Kind abgestimmte und sichere Ernährungsweise empfohlen werden. Bei Kindern mit Allergierisiko erfolgt eine Beratung für die Eltern über die Allergeneinführung und die richtige Verhaltensweise bei allergischen Reaktionen. Zudem wird erklärt, warum es für das Kind wichtig ist, regelmässig und in kleinen Dosen mit Allergenen in Kontakt zu kommen.

All dies erfolgt in enger Abstimmung mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt. Um eine Allergie zu bestätigen oder auszuschliessen, kann ein Provokationstest durchgeführt werden.

Werden die Grundsätze der Beikosteinführung beherzigt und gehen die Eltern es entspannt an, hilft das dem Kind, eine gesunde und positive Einstellung zum Essen zu entwickeln.

Hilfreiche Websites
  • Die Website «aha! Allergiezentrum Schweiz» liefert wertvolle Informationen rund ums Thema Nahrungsmittelallergien.
    aha! Centre d'allergie Suisse
  • Die Schweizer Website «Kinder an den Tisch» gibt ebenfalls praktische Tipps zur Beikosteinführung und geht dabei auf die einzelnen Entwicklungsphasen ein.