Entzündungshemmende Ernährung und andere Ernährungstrends: Was steckt wirklich dahinter?

Kategorie : Fachgebiete
Authored by Monika Joss
Montag 5 Oktober 2026
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Was ist von Trends wie der entzündungshemmenden Ernährung zu halten? Am HFR bieten professionelle Ernährungsberaterinnen und -berater Orientierung und fundierte Empfehlungen. Denn Wundermittel gibt es in der Ernährung nicht.

Wer sich heute für gesunde Ernährung interessiert, greift meistens zuerst zum Smartphone. Das Internet, KI-Anwendungen und soziale Medien bestimmen zunehmend unsere Vorstellung von gesunder Ernährung. Nicht immer geschieht dies zu unseren Gunsten: Wissenschaftlich fundierte Informationen, Marketing und das Bedürfnis nach Aufmerksamkeit vermischen sich zu einem unübersichtlichen Gemenge. Diese Entwicklung ist auch in der Ernährungsberatung am HFR spürbar, wo Patientinnen und Patienten immer häufiger ein entsprechendes «Vorwissen» aus dem Internet mitbringen.

Ein Schlagwort, das derzeit hoch im Kurs steht, ist die sogenannte «entzündungshemmende Ernährung». Das klingt zunächst einmal vernünftig. Wer sich jedoch in der digitalen Welt informiert, merkt schnell: Die Empfehlungen widersprechen sich oft. Soll man nun Sardinen, Knoblauch oder einen bestimmen Brotaufstrich zu sich nehmen? Das Thema kann zu Pillen und Pülverchen abgleiten, die man kaufen kann und die angeblich wahre Wunder bewirken. Spätestens dann ist Skepsis angebracht.

Dehlia Neuenschwander, Ernährungsberaterin am HFR, kann Sinn und Unsinn in der Informationsflut voneinander unterscheiden. Sie stellt die entscheidende Frage: «Sprechen wir über entzündungshemmende Ernährung oder über Entzündungen?» 

Denn logischerweise muss eine Entzündung vorliegen, damit eine entzündungshemmende Ernährung wirken kann. «Unter Entzündungen leiden wir tatsächlich alle ab und zu und das ist auch gut so», erklärt sie. «Eine akute Entzündung hilft dem Körper, einen Krankheitserreger abzuwehren. Ist dieser beseitigt, klingt die Entzündung wieder ab. Problematisch wird es hingegen, wenn Entzündungen chronisch werden.» 

Im besten Fall teuer, im schlimmsten Fall schädlich

Chronische Entzündungen können sich in der Tat negativ auf viele Bereiche des Körpers auswirken: das Herz, die Psyche, das Gehirn und den Bewegungsapparat. Sie werden durch Faktoren wie Stress, Bewegungs- oder Schlafmangel und falsche Ernährung begünstigt. Es stimmt daher, dass die Ernährung ein wichtiger Faktor für unsere Gesundheit ist. Das Versprechen, Ernährung wirke grundsätzlich entzündungshemmend, greift jedoch zu kurz.

Doch Google und Co. wollen uns noch weitere Ernährungsmythen unterjubeln. Diese sind im besten Fall harmlos, können aber auch kostspielige oder gar schädliche Auswirkungen haben. 

Wer ohne Glutenunverträglichkeit glutenfreie Produkte kauft, nur weil eine Influencerin oder ein Influencer diese gerade bewirbt, gibt unnötig Geld aus. 

Wer auf eine ketogene Ernährung setzt, riskiert seine Gesundheit. Bei dieser Ernährung, wie sie angeblich in der Steinzeit üblich war, beschränkt man sich – ausgerechnet – auf Fett und Fleisch. Die Diät wird nur in Ausnahmefällen unter medizinischer Aufsicht verschrieben, insbesondere für Kinder mit einer bestimmten Form der Epilepsie. Am HFR kommt dieser Behandlungsansatz nicht zum Einsatz.

Ein weiteres Thema ist das Intervallfasten, wo sich Phasen der Nahrungsaufnahme und Phasen des Fastens abwechseln. Man könnte annehmen, dass damit keine Risiken verbunden sind. Intervallfasten kann jedoch zur Hintertür für ein problematisches Essverhalten werden. Denn beim Intervallfasten neigt man dazu, das natürliche Hungergefühl zu ignorieren, entwickelt dabei Heisshungerattacken und nascht unkontrolliert, auch während der Fastenzeiten. «Auch diese Ernährungsform ist ohne professionelle Unterstützung nicht empfehlenswert», erklärt die Ernährungsberaterin

Eine schrittweise Anpassung der Lebensweise

Die professionelle Ernährungsberatung am HFR schlägt einen anderen Weg vor und unterscheidet sich in mehrfacher Hinsicht von gehypten Ernährungstrends. Die persönlichen Ziele der Patientinnen und Patienten stellen den Ausgangspunkt jeder Beratung dar. Nicht einzelne Lebensmittel stehen im Fokus, sondern die ganze Lebenssituation. 

Ziel ist nicht eine kurzfristige und rigide Diät, sondern die nachhaltige Umstellung der Alltagsgewohnheiten. Deshalb ist die Ernährungsberatung in ein multidisziplinäres Team eingebettet, in dem neben der Ernährung auch Themen wie Bewegung oder psychisches Wohlbefinden zur Sprache kommen. 

Gesunde Ernährung ist im Grunde unkompliziert. Entscheidend ist die gute alte ausgewogene Ernährung, die auch unter dem Namen mediterrane Ernährung oder Mittelmeerdiät bekannt ist. Sie basiert auf einer Vielfalt an Nahrungsmitteln, wobei viel Obst und Gemüse, Hülsenfrüchte, gesundes Öl sowie wenig Fleisch und verarbeitete Lebensmittel die Hauptbestandteile ausmachen. «Keine Lebensmittelgruppe sollte vollständig aus der Ernährung gestrichen werden», betont Dehlia Neuenschwander.

Und wenn Sie doch fürchten, an einer Glutenunverträglichkeit oder an Rheuma zu leiden, lassen Sie sich lieber von einer Fachperson beraten statt von Dr. Google.