Digitalisierung im Spital und ihre Hürden

Kategorie : HFR
Authored by Catherine Favre Kruit
Montag 5 Oktober 2026
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In seinem Vierjahresplan 2023–2027 hat das HFR punkto Digitalisierung drei vorrangige strategische Ziele formuliert: Sicherstellen der IT-Sicherheit, Erneuerung des klinischen Informationssystems und Verringerung des administrativen Aufwands für das medizinisch-pflegerische Personal. Sven Penelle, Direktor Informationssysteme, berichtet über den aktuellen Stand der Dinge.

Was bedeutet IT-Sicherheit für ein Spital wie das HFR?
Im Spital müssen hochsensible Patientendaten geschützt werden. Es gilt aber auch, eine lückenlose Versorgung zu gewährleisten und sicherzustellen, dass die Systeme rund um die Uhr funktionieren.

Welche Massnahmen bedingt dies?
Über die komplexen technischen Schutzmassnahmen hinaus (lückenlose Überwachung, strikte Segmentierung unserer Netzwerke) ist der Mensch unsere wichtigste Verteidigungslinie. Denn wir müssen uns bewusst sein, dass meist menschliches Versagen die Ursache für Sicherheitsvorfälle ist. Wir legen deshalb grossen Wert darauf, unsere Mitarbeitenden zu sensibilisieren und kontinuierlich weiterzubilden. Eine regelmässige Auffrischung der Sicherheitsregeln ist auch im Privatleben von Nutzen.

Ein weiteres Ziel der digitalen Strategie liegt in der Verringerung des administrativen Aufwands für das medizinisch-pflegerische Personal. Inwiefern kann die Digitalisierung diesen Aufwand verringern? Ist es nicht so, dass Fachpersonen immer mehr Zeit vor dem Bildschirm verbringen?
Gewisse Tools der ersten Generation haben durchaus dazu beigetragen, unsere Ärztinnen und Ärzte und unser Pflegepersonal mit Verwaltungsaufgaben zu überhäufen. Auch die zunehmenden gesetzlichen und abrechnungstechnischen Anforderungen sind für diese Entwicklung mitverantwortlich. Wir müssen daher darauf achten, dass unser neues klinisches Informationssystem (KIS) nicht mit noch mehr Klicks für die Fachleute verbunden ist, sondern ihnen wieder mehr Zeit am Patientenbett ermöglicht. Ziel ist es, ein integriertes System aufzubauen, die Geräte untereinander zu vernetzen und die automatische Erfassung bestimmter Daten zu ermöglichen. Gute Beispiele dafür sind Nablo und die vernetzten Türme (siehe Kasten).

Die künstliche Intelligenz (KI) mag vielversprechend sein, schürt aber auch Ängste. Werden die Patientinnen und Patienten in Zukunft von Robotern versorgt?
Wir setzen uns dafür ein, sowohl für unsere Patientinnen und Patienten als auch für unsere Kolleginnen und Kollegen an der Front verantwortungsvolle Innovationen voranzutreiben. Im Fokus der Pflege steht der Mensch. Wir streben keine Automatisierung der zwischenmenschlichen Kontakte an, ganz im Gegenteil. Das liegt mir und meinen Teams sehr am Herzen!

Die Digitalisierung ist mit einem Preisschild versehen. Kann das HFR genug investieren?
Man muss realistisch sein: Die öffentlichen Spitäler stehen finanziell mächtig unter Druck. Dennoch unternimmt das HFR erhebliche finanzielle Anstrengungen, um seine digitalen Systeme zu modernisieren. Jeder in die Technologie investierte Franken wird sorgfältig abgewogen, damit ein direkter und messbarer Nutzen für unsere Effizienz, die Sicherheit unserer Patientinnen und Patienten oder die Entlastung unserer Teams gewährleistet werden kann. Ob das genug ist? Vergleichen wir uns mit dem Bankensektor oder der Industrie, lautet die Antwort ganz klar «nein». Zudem besteht im Gesundheitswesen seit jeher ein Investitionsrückstand. Meiner Meinung nach müsste die Frage anders gestellt werden: Mit welchen Kosten wäre zu rechnen, wenn wir nicht investieren?
H24

Was genau hat es mit dem KIS auf sich, warum muss es erneuert werden? 
Das KIS ist das digitale Rückgrat eines Spitals. Es enthält alle Daten, die für die Betreuung der Patientinnen und Patienten erforderlich sind, und ist damit unverzichtbare Grundlage für alle Behandlungsabläufe. Aktuell verfügen wir über ein bald 20-jähriges System der ersten Generation, das den heutigen Pflegeabläufen und den Automatisierungs- und Innovationsanforderungen nicht mehr gerecht wird.

Die grössten Herausforderungen dieser Erneuerung?
Herausforderungen gibt es viele, die grösste davon ist aber nicht technologischer, sondern menschlicher und organisatorischer Natur. Deshalb sind Ärzteschaft und Pflege die treibende Kraft des Projekts. Einfach unsere alten Prozesse in ein neues Instrument zu übertragen, gilt es tunlichst zu vermeiden.

Vielmehr müssen wir die Gelegenheit nutzen, unsere Prozesse zu überdenken und anzupassen. So kann die bereichsübergreifende Zusammenarbeit gestärkt und unsere Effizienz verbessert werden. Es ist ein riesiges, zweijähriges Projekt, das allen Beteiligten viel abverlangt. Aber ich bin sehr zuversichtlich: Im HFR haben wir das Glück, auf äusserst engagierte Teams zählen zu können, die motiviert sind, die Dinge voranzubringen.

Wer sind die Projektpartner?
Das Projekt wird in Zusammenarbeit mit dem Freiburger Netzwerk für psychische Gesundheit (FNPG) realisiert. Eine evidente Partnerschaft, bedenkt man, dass die physische und psychische Gesundheit eng miteinander verknüpft sind und unsere Patientinnen und Patienten oft dieselben sind. Aktuell verfügen wir aber über unterschiedliche Systeme, was die Weitergabe von Informationen erschwert und den Alltag unserer Fachkräfte verkompliziert. Die Einführung eines einheitlichen Patientendossiers zusammen mit dem FNPG ist deshalb nur logisch. So können Informationssilos aufgebrochen und nahtlosere und sicherere Patientenpfade gewährleistet werden.

Welche Vorteile bietet das neue KIS den Patientinnen und Patienten?
Neben der nahtloseren Betreuung dank der Zusammenarbeit mit dem FNPG wird den Patientinnen und Patienten eine App zur Verfügung stehen. Damit können sie direkt mit dem Spital kommunizieren. Sie können ihren Eintritt vorbereiten und ihre Termine von zu Hause aus verwalten. Das ändert die Dynamik und die Patientinnen und Patienten werden aktiv in ihre Behandlung einbezogen.

Nablo

Ein Transkriptionstool, mit dem mittels KI Sprechstundenberichte vorformuliert werden – ein Zeitgewinn für die Ärztinnen und Ärzte. 

KI im Spital: mehr Zeit für die Patientinnen und Patienten | hôpital fribourgeois

Vernetzte Türme

Geräte, mit denen die Vitalparameter (Puls, Blutdruck, Körpertemperatur) der Patientinnen und Patienten automatisch ins KIS übertragen werden. Dadurch entfällt die doppelte Erfassung auf Papier. 

Dank Technologie mehr Zeit am Patientenbett | hôpital fribourgeois