Hochverarbeitete Lebensmittel – das macht ihren Reiz aus
Ob Süssigkeiten, Snacks oder Fertiggerichte – hochverarbeitete Lebensmittel nehmen einen festen Platz in unserer Ernährung ein. Oft können wir erst aufhören zu essen, wenn die Packung leer ist. Woran das liegt und welche Auswirkungen das auf unsere Gesundheit hat, erklärt Julie Equey, Ernährungsberaterin am HFR.
Hochverarbeitete Lebensmittel (Ultra-Processed Foods, UPF) sind industriell hergestellte Lebensmittel aus fünf oder mehr Zutaten, die komplexe Verarbeitungsprozesse durchlaufen. «Bei UPF ist das ursprüngliche Lebensmittel oft kaum noch wiederzuerkennen. Es hat mit dem, was man in der Natur findet, praktisch nichts mehr gemeinsam», erklärt Julie Equey aus der Abteilung Ernährungsberatung. Hinzu kommen zahlreiche Zusatzstoffe wie Aromen, Farbstoffe und Geschmacksverstärker, die in der häuslichen Küche normalerweise nicht zum Einsatz kommen.
Was macht UPF so unwiderstehlich?
Heutzutage überzeugen UPF vor allem durch eines: Sie sind praktisch und überall erhältlich. Nach Angaben der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung stammen 27 bis 32 Prozent unserer Energiezufuhr aus UPF – Tendenz steigend. Aus den Regalen der Supermärkte sind sie nicht mehr wegzudenken und in zahlreichen verzehrfertigen Varianten verfügbar.
Ihr grösster Vorteil ist die einfache Zubereitung: Man muss nicht selbst kochen. Oft genügt es, sie direkt in der Verpackung zuzubereiten oder aufzuwärmen.
Ein weiterer Aspekt, den die Ernährungsberaterin hervorhebt, ist der Geschmack. «UPF sind sehr schmackhaft. Es wird alles darangesetzt, sie besonders attraktiv zu machen, damit das Belohnungssystem im Gehirn aktiviert wird und wir mehr davon wollen.» Grund dafür sind insbesondere der hohe Zucker- und Fettgehalt sowie die optimierte Konsistenz und die verfeinerten Aromen.
UPF werden zudem offensiv und emotional beworben. Dabei spielt das Verpackungsdesign eine zentrale Rolle: Leuchtende Farben, Naturbilder oder Superheldenfiguren sollen insbesondere Kinder ansprechen. Auch der Preis beeinflusst die Kaufentscheidung. «Man hat den Eindruck, dass sie günstiger sind. Tatsächlich aber sind Cornflakes teurer als einfache Haferflocken.»
Welche negativen Auswirkungen haben UPF auf unsere Gesundheit?
Abgesehen von ihrer hohen Energiedichte sind UPF «sehr arm an Vitaminen, Mineralstoffen, Antioxidantien und Ballaststoffen», weiss Julie Equey. Dabei sind diese Nährstoffe «für unsere Gesundheit und das Sättigungsgefühl unerlässlich.» Zudem erhöht ihre Zusammensetzung mit einem hohen Gehalt an Zusatzstoffen, zugesetztem Zucker und gesättigten Fettsäuren das Risiko für Gesundheitsprobleme wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen. «Trotz eines sehr vielfältigen Produktangebots wird der Geschmack der Lebensmittel immer monotoner, da alle Hersteller mehr oder weniger die gleichen Verfahren anwenden», warnt die Ernährungsberaterin. Dies gehe zulasten der Ernährungsvielfalt und führe zu einer mangelhaften Nährstoffversorgung.
- Halten Sie sich an Ihre Einkaufsliste und gehen Sie nie hungrig einkaufen.
- Planen Sie Ihre Mahlzeiten im Voraus.
- Setzen Sie auf unverarbeitete, frische, regionale und saisonale Lebensmittel.
- Lesen Sie die Nährwertangaben auf der Verpackung.
- Nehmen Sie sich Zeit zum Kochen – Ihre Gesundheit wird es Ihnen danken.
- Kochen Sie grössere Mengen und frieren Sie diese portionsweise ein.
- Streichen Sie keine Lebensmittel komplett aus Ihrem Speiseplan – die Menge macht das Gift.